WIEN/Staatsoper : DAS RHEINGOLD am 19. Mai 2026
Sehr gute Rollendebuts

Foto: Klaus Billand
Ende Mai begann die Wiener Staatsoper mit den letzten zwei Durchgängen des „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner in der Regie von Sven-Eric Bechtolf aus den frühen 2020er Jahren. Im Jahre 2028 soll ja dann ein neuer „Ring“ entstehen, wie verlautbart mit der Regie des jungen Ersan Mondtag, der mit den gerade an der Staatsoper herausgekommenen „Perlenfischern“ von Georges Bizet allerdings keine gute Visitenkarte abgegeben hat.
Hervorzuheben sind am gestrigen Abend des „Rheingold“ vor allem die musikalische Leistung des Orchesters der Wiener Staatsoper unter Pablo Heras-Casado und die Rollendebuts einiger großer Wagner-Sänger, die ungewöhnlich spät hier zu ihren jeweiligen Partien kamen, allen voran Michael Volle als der wohl momentan weltbeste Wotan.

Foto: Klaus Billand
Pablo Heras-Casado, der mit seinem ersten „Ring“ am Teatro Real in Madrid begann, dann den neuen „Ring“ von Calixto Bieito in Paris übernahm, der bereits beim Siegfried angelangt ist (siehe weiter unten) und 2024 auch den neuen „Parsifal“ in Bayreuth dirigiert hat (ebenfalls weiter unten), hat sich mittlerweile als musikalisch sehr guter und versierter Wagner-Interpret hervorgetan. Er leitete das Orchester mit großer Emphase und viel Verve, betonte stark die dramatischen Momente, ließ aber auch die sublimen Phasen transparent und feingliedrig ausmusizieren.
Michael Volle glänzte mit seiner vollkommenen Beherrschung der Rolle des Wotan und überzeugte durch perfekte Diktion ebenso wie zu jeder Aussage passender Mimik. Matthäus Schmidlechner war ein behender und sehr engagierter Loge an seiner Seite mit einem baritonal unterlegten und ins Charakterfach weisenden Tenor, in jedem Moment Herr der Lage. Georg Nigl begeisterte als „neuer“ Wiener Alberich mit Schöngesang, aber auch elementarer Kraft und Gefühlsausbrüchen, wie es für den Alben Sinn macht.
Wiebke Lehmkuhl war wie immer eine ernsthaft mahnende klangvolle Erda mit ihrem leuchtenden Mezzo, während Szilvia Vörös als Fricka gegenüber ihren Vorgängerinnen Michaela Schuster und Elisabeth Kuhlmann hier am Haus doch etwas blass blieb, bei aller Schönstimmigkeit. Gerhard Siegel war eine Luxusbesetzung des Mime und wird sein großes Potenzial erst im „Siegfried“ so richtig zeigen können. Simonas Strazdas als Fasolt und Matheus França als Fafner waren gute „neue“ Wiener Riesen. Clemens Unterreiner ging den Donner etwa zu lyrisch an, während das bei Daniel Jenz als Froh gut passte. Jenni Hietala war eine stimmlich sehr gute und forsche Freia. Ileana Tonca, Alma Neuhaus und Stephanie Maitland waren gute Rheintöchter.
Sie wirkten im allzu albernen Rheingold-Bild (Bühne Rolf Glittenberg) mit den vielen wallenden Tüchern und ewigem sinnfreiem Wedeln manchmal wie die abgeklappten Sonnenschirme der Touristen am abendlichen Strand von Rimini. Auch die wie Brie- oder Camembert-Scheiben wirkenden weißen Steingebilde im 2. und 4. Bild können weiterhin nicht überzeugen. Auch wenn sie nach der Premiere die zuerst zu sehenden Kinderbettgestelle von Christine Mielitz aus Dortmund abgelöst hatten. Sie sind einfach als Bühnenbild für ein Haus wie die Wiener Staatsoper zu banal. Ein Plus dieser Produktion sind hingegen die geschmackvollen und stets passenden Kostüme von Marianne Glittenberg und die Videos von Friedrich Zorn.

Foto: Klaus Billand
Am 25. Mai geht es mit der „Walküre“ weiter.

