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WIEN/ Staatsoper: DAS RHEINGOLD. Ein nachdenklicher Göttervater

WIENER STAATSOPER/ 19.5. 2026: DAS RHEINGOLD

Ein nachdenklicher Göttervater

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Foto: Klaus Billand

Sven Eric-Bechtolfs Sichtweise auf Wagners Ring ist bereits sattsam bekannt: Es handelt sich sich in glatter Ästhetik (Bühnenbild: Rolf Glittenberg; Kostüme: Marianne Glittenberg) um eine tragfähige und brauchbare Arbeit, die vor allem durch kluge Personenregie besticht – Eine Tugend, die in den letzten Jahrzehnten bedauerlicherweise reihum verloren gegangen zu sein scheint. Das Setting bietet allerdings trotzdem für jeden Darsteller die Möglichkeit, nach seinen Vorzügen der jeweiligen Interpretation entsprechend Raum zu geben.

Pablo Heras-Casado reüssierte in Wien zunächst als Barock-Spezialist, mit Mozarts La clemenza di Tito war ihm die vorletzte Premiere der laufenden Spielzeit anvertraut. Mittlerweile ist er aber auch ein gefragter Interpret der Opern Richard Wagners, selbst Bayreuth rief schon nach ihm, in Paris leitet(e) er den Ring. Hörbar kommt ihm auch bei der Interpretation der Musik Richard Wagners seine Barock-Erfahrung zu gute, kreiert er kein wuchtiges Klangmonster, sondern lässt feine Töne hören und besticht durch große Transparenz. Mit dem an dieser Stelle wiederum ausdrücklich als wohl nahezu konkurrenzlos zu lobenden Staatsopernorchester wird von den ersten Tönen in den Tiefen des Rheines bis zum Einzug der Götter in Walhall ein großer Bogen gespannt, der nie die Stringenz verliert. Ein idealer schlanker musikalischer Untergrund für die sagenhafte Geschichte um des geraubten Goldes Raub.

Michael Volle ist nun als Wotan erstmals auch an der Wiener Staatsoper zu erleben, und jedenfalls den Rheingold-Wotan hat er sich nicht ganz so zu eigen gemacht wie beispielsweise den Hans Sachs. Natürlich liegt ihm der Göttervater sängerisch, ebenso agiert er wortdeutlich, darstellerisch allerdings scheint er ein wenig schaumgebremst. Dieser Wotan ist schon am Vorabend des Bühnenfestspiels desillusioniert, was allerdings auch Teil seiner beabsichtigten Rollengestaltung sein mag. Wir warten gespannt auf die nächsten beiden Abende.

Ihm zur Seite Matthäus Schmidlechner, in Linz musikalisch beheimatet, als listig dienender Feuergott. Mit seinem klassischen Charaktertenor und seiner hohen schauspielerischen Präsenz, die vor Häme und Ironie nicht zurückscheut, ist er ein idealer strippenziehender Loge.

Die Unarten, die normalerweise die Rollengestaltungen von Direktionsliebling Georg Nigl prägen, seien es sein mangelhaftes Legato, seine hohlen Töne oder sein outriertes Spiel, fallen als Alberich nicht allzu negativ ins Gewicht, ist er von Anfang an der richtig ekelhafte Schwarzalb, der die Gründe für seine Ablehnung durch die anderen äußerst glaubhaft über die Rampe serviert.

Sehr erfreulich die beiden dunklen Damenstimmen: Szilvia Vörös volltönend und persönlichkeitsstark als manipulative Fricka, Wiebke Lehmkuhl bei ihrem längst fälligen Staatsoperndebüt als warnende stimmvolumensstarke, aber auch mystische Erda.

Riesenhaft überzeugt Simonas Strazdas als Fasolt mehr als der vergleichsweise dünnstimmige Matheus França als Fafner. Dramaturgisch hätte man sich auch im Hinblick auf den zweiten Abend des Bühnenfestspiels einen Rollentausch gewünscht.

Gerhard Siegel ist ein gewohnt eindrücklicher Mime, Clemens Unterreiner und Daniel Jenz überzeugen als durch die Apfelabsenz leidenden Götter Donner und Froh, Jenni Hietala blieb als Riesenbegierdenobjekt Freia eher unauffällig.

Bleiben noch die drei Rheintöchter, Ileana Tonca, Alma Neuhaus und Stephanie Maitland, ohne deren neckisches Spiel das gesamte Geschehen nicht initiiert worden wäre: Hier gefällt erstere, obwohl insgesamt schon am längsten dabei, als Woglinde am besten.

Ein äußerst vielversprechender Beginn des vorletzten Ringzyklus’ der demnächst abtretenden Inszenierung.

Sabine Längle

 

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