WIEN/ Staatsoper: DAS RHEINGOLD am 19.5.2026

Henri de Toulouse-Lautrec (1864 – 1901): »Acteurs de l’Opéra de Bordeaux« (Ausschnitt), 1900. Encre brune et plume, 25,4 × 20,4 cm,1900. Paris, musée d’Orsay, conservé au département Arts graphique de musée du Louvre. Foto: Thomas Prochazka
Man hörte Wagner-Gesang in heute üblicher Manier: ausgesungene Stimmen mit übergroßem, langsamen Vibrato; zu kleine (nicht: zu leise) Stimmen mit engen und gepreßten Höhen; dysfunktionale untere Register quer durch alle Stimmfächer. Mit raren Ausnahmen trat Deklamatorisches an die Stelle von Gesungenem (wie doch von Wagner selbst gefordert).
Dazu gesellte sich eine grobe und jeder Binnenspannung abholde musikalische Exekution, garniert mit fragwürdigen Klängen einzelner Orchesterstimmen vom Vorspiel bis kurz vor dem Schlußakkord. (Unterm Thielemann hätt’s des net geb’n.) Pablo Heras-Casado heißt der verantwortliche Mann am Pult, der mit » laut « und » leise « sein Auslangen zu finden suchte. Hart im Klang, teilweise anämisch und ohne Abstufungen, verhieß der Abend schon bald Längen; gefährliche Längen.
Ileana Tonca, Alma Neuhaus und Stephanie Maitland mühten sich mit den Rheintöchtern. Hörte — und sah — niemand, daß Maitland ihre Stimme über Gebühr abdunkeln mußte, das Kinn oftmals fast bis an das Brustbein senkte, um mit dadurch tiefer positioniertem Kehlkopf die Töne durch den so verengten Rachen zu pressen? Hörte niemand, wie Maitlands und Neuhaus’ Stimmen (mehr noch als jene Toncas) mit schwächelnder unterer Oktave ihr Auslangen zu finden trachteten? Daß ähnliches auch für Wiebke Lehmkuhl, die Erda des Abends, bei ihrem Haus-Debut galt?…
…Der Abend krankte an der musikalischen Umsetzung; — nicht an Sven-Eric Bechtolfs Szene, welche, so scheint’s, dringend durch Schlechteres ersetzt werden muß. (Wie war das noch gleich mit den Budget-Kürzungen?)
https://dermerker.com/index.cfm?objectid=F56C444D-AD34-2323-67CA777B1BFF8984
Thomas Prochazka/ www.dermerker.com

