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WIEN/ Staatsoper: DAS RHEINGOLD

01.05.2017 | Oper

WIEN / Staatsoper: DAS RHEINGOLD am 30.04.2017

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Ain Anger, Norbert Ernst, Sorin Coliban. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Die Absage von Bryn Terfel hat dieser Ring-Serie etwas Spannung genommen, trotzdem war das Interesse und der Andrang für die Stehplatzkarten beeindruckend. Nicht zu unrecht, es wurde immerhin einiges geboten:

Die Musik Richard Wagners hat ja an sich schon Suchtpotential, in der unaufgeregten, klar fließenden Interpretation des kompetenten Wagner-Kenners Peter Schneider werden viele Details hörbar, die auch nach vielen Ringen immer wieder ein überraschendes Hörerlebnis bieten. Der Kapellmeister entlockte dem Staatsopernorchester in prominenter Besetzung alle Stärken, für die dieses Orchester bewundert und geschätzt wird. Der einzigartige Streicherklang und das mächtige Blech, das diesen Eindruck nur live vermitteln kann beeindruckten ebenso, wie die kleinen Soli, die in der Partitur versteckt sind und von manchen weniger sensiblen Dirigenten nicht gefunden werden.

Anstelle des Star-Wotans sprang Egils Silins als Göttervater und als Bauherr in Nöten ein,  präsentierte sich mit tragfähigem, geradlinigen, angenehm timbriertem Bass und musste keinen Einspringerbonus in Anspruch nehmen. Seine Gattin mit der Vorliebe zu „Schöner Wohnen“ war mit Mihoko Fujimura verlässlich besetzt. Ihre Stimme verlieh der Fricka die nötige eheliche Reizbarkeit aber auch die Sorge um die nicht ganz uneigennützig geliebte Schwester. Eine nicht allzu große, aber angenehm klingende Stimme.

Der Loge entwickelt sich zu der Paraderolle von Norbert Ernst – sein Tenor scheint für diese Rolle wie geschaffen und seine respektlose Darstellung vermittelt deutlich, was er von der ganzen Göttersippe hält. Die zweite Person, die Wotan stark beeinflusst ist Erda, die in diesem Ring von Okka von der Damerau erstmals in Wien gesungen wurde. Unser Fazit: Viel zu lange haben wir auf diese wunderbare Stimme warten müssen. Ihre pastose Tiefe beeindruckt und  wurde bruchlos in eine klare, edel klingende Mittellage geführt. Die Höhen kamen sicher und ohne Schärfe. Es wäre schön, sie auch in anderen Rollen wie Brangäne, Ulrica… wiederzusehen(hören).

Die Nibelungen waren mit Jochen Schmeckenbecher als Alberich und mit Wolfgang Ablinger-Sperrhacke als Mime sehr gut besetzt. Beide waren stimmlich erfreulich gut in Form und zeigten im Spiel beeindruckende Bühnenpräsenz.

Die Riesen wurden von einem routinierten Traumpaar gesungen und dargestellt. Ain Anger diesmal als Fasolt, Sorin Coliban als gewalttätiger Fafner. Nicht wirklich überraschend –  wissen wir doch seit dem Maskenball, dass dieser gutmütige Riese auch das Mördergen in sich trägt.

In dieser Vorstellung hinterließen die Götter und die Göttin die am wenigsten beeindruckenden Leistungen. Markus Eiche war als Donner nicht allzu mächtig und bedrohlich; Thomas Ebenstein zeigte einen unauffälligen Froh; Caroline Wenborne blieb als  Freia ziemlich blass – sie hätte wohl mehr von ihren Äpfeln essen sollen.

Das war allerdings gejammert auf sehr hohem Niveau – wir erlebten eine gute Repertoirevorstellung mit einem sensationell aufspielenden Staatsopernorchester und freuen uns auf die „Walküre“.

Maria und Johann Jahnas

 

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