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WIEN / Staatsoper: COSI FAN TUTTE

25.02.2012 | Oper

WIEN / Staatsoper: 
COSI FAN TUTTE von Wolfgang Amadeus Mozart
49. Aufführung in dieser Inszenierung
25. Februar 2012 

Vor etwa einem Jahr bekam die alte “Cosi fan tutte”, die sich Riccardo Muti einst so von Regisseur Roberto de Simone gewünscht hat, eine “musikalische Neueinstudierung“ verpasst, nachdem sich der Direktor dankenswerterweise entschlossen hatte, nicht noch einmal Jean-Louis Martinoty an Mozart heranzulassen. Diese aufgefrischte „Cosi“ war ein ziemliches Debakel, und wenn man sie nun unter demselben Dirigenten in Szene gehen lässt, kommt auch nicht sehr viel dabei heraus. Für schlanken, filigranen, seelenvollen Mozart hat Jérémie Rhorer kein Händchen, das meiste klingt zu grob und dabei eher spannungslos.

Barbara Frittoli als Fiordiligi kennt man noch aus Muti-Zeiten, Laura Polverelli als Dorabella ist neu, beide Damen teilen einen fatalen Hang zum Tremolo und zur Höhenschärfe. Dabei versöhnte die Frittoli mit der zweiten Fiordiligi-Arie, wo der Dirigent einmal kurzfristig etwas sensibler gestimmt war und ihr die Möglichkeit gab, ein technisches und auch interpretatorisches Meisterstückchen an Piani, Mezzavoce und Trillern zu liefern, das von wahrer Mozart-Anmut war. Eine solche Gelegenheit fand Laura Polverelli nicht und kann nur hinter vielen Dorabella-Vorgängerinnen herschauen.

Zwei Herren des Ensembles durften sich erstmals in den Liebhaber-Rollen zeigen, wobei Benjamin Bruns als Ferrando und Adam Plachetka als Gugliemo gleich gestimmte Temperamente und metallisch timbrierte, kräftige Stimmen anzubieten hatten. Freilich, „Un‘ aura amorosa“ war eher die Suche nach dem höheren Mozart-Stil als dieser selbst.

Wie schon bei früheren Gelegenheiten enttäuschte Natale De Carolis, der den Don Alfonso mit so wenig Stimme quasi so uninteressiert sang, dass die Figur schlechtweg verloren ging. Dagegen behauptete sich Anita Hartig mit blitzsauberen Tönen als resolut-trampelige Despina, man hätte nur gewünscht, sie hätte ihre letzte Verkleidung als Notar nicht auch stimmlich so schamlos überzogen. Das war albern.

Aber Albernheit herrschte überhaupt – gewiss, das ist eine auf Ästhetik und Heiterkeit und nicht auf Tiefgang und Problematik angelegte Inszenierung, aber man braucht sie nicht so zu verblödeln. Die Herrschaften (der wenig beteiligte De Carolis ausgenommen) überboten einander in vordergründigen Übertreibungen, die sie möglicherweise selbst lustiger fanden als das Publikum. Dieses verteilte den Beifall gleichmäßig und hielt ihn äußerst kurz.

Renate Wagner

 

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