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WIEN/ Staatsoper: CHRISTA LUDWIG INTERVIEWT GUNDULA JANOWITZ – ein witziges Primadonnen-Geplänkel

11.10.2015 | Oper

CHRISTA LUWIG INTERVIEWT GUNDULA JANOWITZ: WITZIGES PRIMADONNEN-GEPLÄNKEL (11.Oktober 2015)

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Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Die Königsidee hatte Christa Luwig. Direktor Dominique Meyer spielte mit und Gundula Janowitz ebenso; und so kam es am Wiener Wahlsonntag zu einem witzig-köstlichen Primadonnen-Geplänkel, bei dem viel Nostalgie aufkam, Musikbeispiele „goldene Zeiten“ beschworen und am Schluss zwei Persönlichkeiten gefeiert wurden, die – mit Humor – viel zur Gegenwart und Zukunft zu sagen hatten. Christa Ludwig – der Mezzo mit dem Samttimbre – und Gundula Janowitz – der „Stimm-Gruß vom Himmel“ – waren selten einer Meinung. „Wir sind so verschieden, dass wir uns schon wieder ähnlich sind“ meinte Christa Ludwig, die einst von der Amneris zur Leonore und vom Cherubin zur Färberin mutierte.

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Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Beide Primadonnen hatten übrigens deutsche Mütter und österreichische Väter. Und eine besondere Bindung an Berlin. Allerdings wuchs Gundula Janowitz nach dem 2. Weltkrieg in Graz auf und verdiente sich ihr Studium als Sekretärin. Und beide waren Lieblingssängerinnen von Herbert von Karajan und Karl Böhm. Bei der Matinee in der Staatsoper waren es aber vor allem die Zuspielungen, die Stimmung erzeugten. Man begann mit einer Rarität – Odabella (konzertant) unter Berislav Klobucar, dann kam eine Rolle, die Christa Ludwig als „Schlafmittel“ abtat – die Figaro-Gräfin der Janowitz (unter Solti) wurde aber zum ersten Höhepunkt dieser Veranstaltung, in deren Verlauf Karl Löbl zitiert wurde. Diese Stimme sei ein „Gruß vom Himmel“ – diesem Urteil schloss sich auch das Publikum in der Wiener Staatsoper an. Und ähnlich war es mit der Agathe – sie kann nicht schöner und „engelhafter“ gesungen werden. Und so ging es weiter – die Janowitz wagte es, am Image der Marschallin zu kratzen. Das ist ein Text, der doch von einem Mann geschrieben wurde.“Keine Frau steht mitten in der Nacht auf, um die Uhren anzuhalten“. Christa Ludwig ringt die Arme, die Janowitz hat die Lacher auf ihrer Seite. Einig sind sich die beiden doch fallweise. Warum lassen sich die Dirigenten und Sänger die heutigen „Neudeutungen“ der Regisseure bieten? Spontane Zustimmung vom Publikum. Gab es auch Fehler in der Karriere der Janowitz? Laut Christa Ludwig sei das Met-Debüt als Sieglinde unter Karajan zum falschen Zeitpunkt erfolgt. Das New Yorker Publikum sei an „Batzen-Stimmen“ gewohnt wie Birgit Nilsson, Leonie Rysanek oder Regina Resnik. Da sei eine „schlanke, instrumentale“ Sieglinde viel zu ungewohnt gewesen.

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Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Und sonst – die Erfahrungen als Grazer Direktorin? „Man macht im Leben so viel Blödsinn“. Gundula Janowitz wollte zurück zur Ensemble-Oper. Das war nicht mehr möglich. Aber insgesamt müsse sie mit ihren Erfolgen zufrieden sein. Und mit den Zeugnissen ihrer Karriere, die es ja reichlich gibt. Apropos „Goldene Erinnerung“ – ein Cosi-Duett zwischen Janowitz und Ludwig unter der Leitung von Karl Böhm gehörte ebenso dazu wie ein Ausschnitt aus Beethovens „Missa Solemnis“ (unter Karajan mit Janowitz, Ludwig, Wunderlich und Berry). Aber den Höhepunkt der Matinee markierte denn doch Richard Strauss – seine „Vier letzten Lieder“ – genauer „Beim Schlafengehen“. Schöner kann man den Hesse-Text wohl nicht singen als Gundula Janowitz. Am Ende ein glücklicher „Blumen-Kavalier“ Dominique Meyer, ein in Erinnerungen schwelgendes Publikum und zwei schlagfertige Primadonnen, die ein neues Kapitel ihrer Karriere aufgeschlagen haben.

Peter Dusek

 

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