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WIEN/ Staatsoper: CARMEN – zündend ist anders

10.09.2016 | Oper

WIENER STAATSOPER: „CARMEN“ am 9.9.2016

 

Zündend ist etwas anderes


Elena Maximova, Brandon Jovanovich. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Eine sehr unausgegorene oder  besser doch enttäuschende Umsetzung dieser Oper erfolgte mit einem Team, dass zum größten Teil wohl in anderen  Rollen sicher besser wäre.

Sehr schön ist, dass Clemens Unterreiner zu seiner zehnjährigen Hauszugehörigkeit als Escamillo einen großen persönlichen Erfolg feiern konnte. Die Rolle kam nicht zu spät oder zu früh, sondern genau richtig und er machte es nicht nur musikalisch sehr schön, sondern gab dem „Stiertöter“ so einen französischen Charme mit Wiener Schmäh. Das passte sehr gut.

Eine sehr erfreuliche Erscheinung ist auch Cristina Pasaroiu als immer traurige und vergessene Braut Micaela.      

Die Titelrolle wird von Elena Maximova sehr brav und richtig gesungen, darstellerisch sehr an ihre Maddalena angelehnt, doch insgesamt wirkte die Darbietung wie eine ungewürzte Speise. Mehr Pfeffer wäre jedenfalls geboten, um den Anforderungen der Partie Genüge zu leisten..

Für den Don Jose hat Brandon Jovanovich eine sehr eigene und seltsame ungewohnte Interpretation anzubieten, der ich ehrlich gesagt nicht folgen konnte oder wollte. Viele unsaubere Intonation, mancher  Ton wird mit dem Motto „Glück“ erreicht, schöne kurze Phrasen lösen ungereimtes Forte ab und enden dann wieder dort, ja, so eine Version ist neu, aber wenig erfreulich. Als Schauspieler bleibt er im 0/8/15-Klischee stecken, bei größerem Engagement wie im Schlussduett war er dafür musikalisch sehr erfindungsreich.

Auffallend schöne Tiefe bot die hübsche Tartarin Ilseyar Khayrillova als Mercedes, da kündigt sich vielleicht eine Carmen an! Hila Fahima war eine schöne Frasquita. Ihr Schmuggler Spießgesellen Remendado/Joseph Dennis und Mihail Dogotari/Dancairo  waren sehr ums Geschen bemüht. Im Schmugglerquintett des zweiten Bildes gab es aber viele Unstimmigkeiten mit dem Pult. Es endete es in einem Gehudel.

Sehr schon die Stimme des neuen Ensemblemitglieds Orhan Yildiz als Morales. Weniger schön klang Alexandru Moisiuc als Zuniga.   

Die musikalische Leitung hatte Philippe Auguin, der zum ersten mal sehr enttäuschte. Sehr laut bis zu laut wurde gespielt und sehr unausgewogen die Tempiwechsel, die zum Beispiel die Schnitzer im Schmugglerquintett auslösten.

Der Chor, wie immer von Thomas Lang perfekt studiert, hat auch an der „alten“ Inszenierung viel Spaß. Möge das noch lange bleiben!

Schön wäre, wenn man die Aufmärsche der Stierkämpfer wieder in die Originalform zurück bringen könnte, weil immer im selben Kostüm im Kreis laufen wirkt sehr dilletantisch,  das muss doch nicht sein.       

Elena Habermann

 

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