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Wien/ Staatsoper: CARMEN – sehr jung WIEN/ Staatsoper: CARMEN – sehr jung.

 

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Man kann sich Binsenweisheiten darüber sparen, warum diese Oper so viel mehr Erfolg hatte als die Perlenfischer. Auch über die szenische Fassung ist schon sehr viel gesagt, daher nur kurz: Licht: Das Gefühl, in einer sexualisierten, verarmten und gewaltbereiten Welt andere als die gewohnten und geliebten Opernerlebnisse zu bekommen, was wohl das Skandalöse an der Uraufführung gewesen sein wird, bringt diese Inszenierung besser herüber als behübschte Sevilla-Folklore. Schatten: Nicht, dass viele der gesprochenen Dialoge abgehen, aber etwas mehr verbindenden Text zwischen den Nummern würde es schon vertragen.

Hervorragend Chor und Orchester, dort vor allem Fagott (Dervaux) im Vorspiel zum 2., Flöte (Auer) im Vorspiel zum 3. und Oboe (Breit) im Vorspiel zum 4.Akt, aber auch eine junge Dame am Englischhorn, die der Einleitung zur Blumenarie einen vollen, pastosen Klang verleiht, wie ihn sonst nur Plank liefert (die Alternative Maderthaner klingt hier übrigens – völlig anders – parfümierter, wenn man so will „französischer“ und auch nicht unpassend). Geleitet wird das kundig und flott von Asher Fisch, schon lange, aber in den letzten Jahren zu selten Gast im Haus.

Bei den Sängern interessiert wohl vor allem das Staatsoperndebüt von Elmina Hasan, U27 (wie das exklusive Publikum der letzten Vorstellung dieser Serie) und schon sehr gut im Geschäft. Entgegen fachkundiger Befürchtungen aus München und Paris ist die Stimme ausreichend groß, attraktiv und verfügt über noble Tiefe und Höhen, die einen Hauch weniger Vibrato vertrügen. Ihr Spiel ist natürlich, die Optik nahe an Frau Akhmetshina mit einem an Frau Perez erinnernden Gesicht. Ihre Freundinnen sind ebenfalls hübsch anzusehen, Ilia Staples Frasquita manchmal recht spitz, Anita Monserrats Mercédès etwas zurückhaltend. Und Anna Bondarenko bemüht sich sehr um eine sauber gesungene und sympathisch dargestellte Micaela.

Im ersten Teil haben die Offiziere wichtige Rollen: Simonas Strazdas hat als Zuniga Statur und Material, aber eine französische Diktion mit Luft nach oben, Alex Ilvakhin zeigt als Moralès eine schöne, noch nicht sehr charaktervolle Stimme. Die Schmuggler sind bei Carlos Osuna (Remendado) und Jusung Gabriel Park (Dancaire) recht gut aufgehoben. Erstmals steht Christian von Horn als Escamillo auf der Bühne der Staatsoper. Man weiß, wie schwierig die Rolle ist und van Horns Bass bewältigt sie respektgebietend. Der absolut elegante und charismatische Torero ist er nicht.

Einen Don José soll es auch gegeben haben. Was zu hören war klangt bullig, veristisch und in den Spitzentönen oft so, dass die Tonhöhe nicht mehr identifiziert werden konnte. Hoffentlich war das ganz schlechte Disposition der Stimme, sonst wäre es ganz schlechte Disposition der Direktion und übles Vorzeichen für den Gustavo in der nächsten Saison. Der Name bleibe unerwähnt, das ist noch das Höflichste.

Robert Fucik

 

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