WIEN/ Staatsoper 21.2.2026 „Carmen“ in der Staatsoper
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Foto: Wikipedia
Dem Wetter nach hätte es eigentlich „La Wally“ spielen müssen: Auf das Schneechaos am Freitag folgte bei Tauwetter am Samstag ein Tag der Dachlawinen. Weil aber die Staatsoper ihre Saisonen sinnvoller Weise nicht nach den meteorologischen Vorhersagen des hundertjährigen Kalenders plant, stand „Carmen“ auf dem Programm.
Die Aufführung entwickelte sich allerdings nicht ganz nach dem „Motto“, das der Titel der Oper vorgibt. Die als Carmen noch sehr „schablonenhaft“ wirkende Hausdebütantin musste Don José den Vortritt lassen: Denn Piotr Beczała ist wieder als Don José in Wien zu Gast. Beczałas Sergeant ist ein naiver Kerl, der sehr gut zu Micaëla passen würde, wäre da nicht, ja wäre da nicht … Carmen. Das Auskosten von lyrischen Momenten (Blumenarie mit stärkstem Szenenapplaus des Abends) gelang ihm ebenso überzeugend wie die mit bronzenem Metall unterlegte, schon ins leicht heldische spielende tenorale Attacke, wenn Don José von Eifersucht und Liebe in Rage gerät.
Aber Beczała ist kein Sänger, bei dem das Publikum im Finale Angst haben müsste, er könnte Carmen jetzt „wirklich“ etwas antun. Solche überhitzte Leidenschaft ist ihm dann doch fremd. Das Ausloten der emotionalen Ausnahmesituation bleibt im Rahmen, wird sich bei ihm immer seriös dem Gesang unterordnen. Im Normalfall würde sich die Bühnenwirkung ohnehin durch die Anwesenheit Carmens „multiplizieren“, doch gerade das war an diesem Abend nicht der Fall. Beczałas Tenorfeuer brachte die Carmen der Victoria Karkacheva den ganzen Abend lang nicht zum „Schmelzen“.
Diese Carmen war ein „besonderer“ Fall. Wann ward es erlebt, dass der Sängerin der Titelpartie beim Solovorhang kaum ein Bravoruf zu Teil wurde? Im Nachhinein betrachtet handelte es sich um ein ehrliches Statement eines wieder stark von Touristen durchmengten Auditoriums.
http://www.operinwien.at/werkverz/bizet/acarmen19.htm
Dominik Troger/ www.operinwien.at

