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WIEN/Staatsoper – aus Münchner Sicht: BORIS GODUNOW – Run! Don’t walk to the remaining performances of Boris Godunow in Vienna!

München: Wiener Staatsoper: „BORIS GODUNOW“, 15.05.2022 – Run! Don’t walk to the remaining performances of Boris Godunow in Vienna!

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Thomas Ebenstein (Schuiskij). Foto: Wiener Staatsoper

Die Wiener Staatsoper ist auch für den Münchner Opernfreund immer eine Reise wert, insbesondere wenn dort interessante Hausdebuts anstehen, wie das von Alexander Tsymbalyuk in der Titelpartie von Modest Mussorgskys „Boris Godunow“ (in der Urfassung von 1868/69). Im Jahr 2013 hatte der ukrainische Bass beim Münchner Publikum sowie lokalen und überregionalen Kritikern mit seiner tief berührenden Interpretation des von Skrupeln und Selbstzweifeln in den Tod getriebenen Zaren in der damaligen Neuproduktion von Calixto Bieito Begeisterungsstürme entfacht. Seither hat er die Partie an namhaften internationalen Häusern, darunter die Pariser Oper und das Bolshoi-Theater äußerst erfolgreich gesungen und durfte sich jetzt auch an der Wiener Staatsoper darin präsentieren. Auch hier gelang ihm ein fesselndes, aufwühlendes und tief bewegendes Rollenporträt. Insbesondere in der großen Szene mit Schuiskij, dem anschließenden Angstausbruch und natürlich im absolut berührenden Schlussmonolog hielt das Publikum förmlich den Atem an. Einen so wahrhaftigen, in seiner Figur aufgehenden Sängerdarsteller sieht man nicht alle Tage. Auch sängerisch konnte Alexander Tsymbalyuk mit seinem klangvollen, voluminösen, aber trotzdem eleganten Bass jederzeit überzeugen. Auch die übrigen Solisten zeigten zum großen Teil schauspielerisch wie sängerisch sehr gute Leistungen, allen voran Dmitry Golovnin als Grigorij. Er wirkte einerseits sehr jugendlich, fast jungenhaft, andererseits merkte man ihm aber auch sofort seinen Hunger nach Macht und Reichtum an, der ihn letztlich bis zu einem Staatsstreich führen wird. Er sang seine oftmals nicht sehr melodiöse Partie mit klarem, hellen und schön timbriertem Tenor. Vitalij Kowaljow gestaltete den Pimen mit wohlklingendem, frei strömenden Bass. Leider gab ihm die zwar recht schön anzuschauende, aber doch ziemlich einfallslose Inszenierung von Yannis Kokkos kaum eine Möglichkeit, sich darstellerisch zu profilieren. Thomas Ebenstein war ein heuchlerisch, hinterhältiger Schuiskij. Stimmlich hatte er – wie einige andere auch- mit dem lauten Orchesterklang doch etwas zu kämpfen. Von den kleineren Partien blieb insbesondere die schöne Altstimme von Stephanie Maitland als Schenkwirtin im Gedächtnis. Dem Chor kommt in Boris Godunow eine besondere Rolle zu. Der Chor der Wiener Staatsoper sowie der Slowakische Philharmonische Chor sangen die großen Szenen wunderbar eindringlich und einprägsam.  Dirigent Sebastian Weigele und das Orchester der Wiener Staatsoper brachten alle Facetten der Partitur, düster, monumental, aber auch glanzvoll leuchtend und zart zum Ausdruck. Am Ende gab es großen Applaus für alle Solisten, insbesondere für Alexander Tsymbalyuk. Die Reise nach Wien und der Besuch der Aufführung haben sich voll gelohnt.

Gisela Schmöger

 

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