WIEN/ Staatsoper 22.2.2026- „Ariadne auf Naxos“
„Musik ist eine heilige Kunst“

Angelica Kauffmann: Ariadne, abandonend by Theseus on Naxos. 1774 Foto: Meisterdrucke
Die 42.Aufführung in der Inszenierung von Sven-Eric Bechtholf der Oper in einem Akt „Ariadne auf Naxos“ nebst einem Vorspiel, ein weiteres, herausragendes Meisterwerk von Richard Strauss, mit dem Text von Hugo von Hofmannsthal, war im Haus am Ring zu erleben.
Bechtholfs detaillierte Personenregie gepaart mit tänzerischer Beweglichkeit und pointierter Komik in traditioneller „Commedia d‘ell arte“ Manier und im speziellen Fall eine Vermengung von „Operia seria“ und „Opera buffa“ wusste durchaus gekonnt zu fesseln. Radfahrende und kokett über ein quer liegendes Klavier hinunter rutschende Komödianten mit etwas überkandidelten Charakteren auf der einen Seite und die tiefsinnige, ernste Liebe zur Musik und das Streben nach deren bestmöglicher Verwirklichung und Vollendung auf der anderen Seite, schaffen sowohl ein enormes inszenatorisches als auch musikalisches Spannungsfeld. Die Intentionen des Regisseurs wurden maßgeblich unterstützt von Rolf Glittenberg (Bühne), Marianne Glittenberg (Kostüme) und Jürgen Hoffmann (Licht).
Unter der elegant artifiziellen, musikalischen Leitung von Cornelius Meister präsentierte das exzellente Orchester der Wiener Staatsoper ein, in warmen Wohlklang gehülltes, Strauss‘sches Oeuvre mit pointierter Differenziertheit und dramatischen Akzenten. Die phasenweise Dominanz der Streicher übergleitend in die Homogenität des wohligen Gesamtorchesterklangs schuf die exzeptionelle, musikalische Basis dieser Aufführung.
Der bekannte österreichische Schauspieler Bernhard Schir verlieh der Rolle des Haushofmeisters eine stringente Persönlichkeit mit authentischer Präsenz, akzentuiertem Sprachduktus und eleganter Ausstrahlung.
Jochen Schmeckenbecher überzeugte als Musiklehrer mit sowohl musikalischer als auch darstellerischer Souveränität sowie sehr guter Textverständlichkeit.
Mit starker, durchschlagskräftiger Stimme und darstellerischer Intensität meisterte Samantha Hankey die Rolle des Komponisten. Mehr Farben in ihrer Stimme wären dem Charakter dieses jungen, aufstrebenden Musikers sicher dienlich gewesen. Das Ernsthafte, Schwärmerische, die heilige Kunst der Musik Verehrende, das Idealistische und Verträumte kam in ihrer Interpretation kaum zum Ausdruck. Ihre Begeisterung für die Musik äußerte sich bodenständig, kraftvoll und dynamisch. Im zweiten Teil, der Oper, in dem sie „nur“ mehr darstellerisch vorhanden war, konnte man den Charakter des hingebungsvollen, jungen Komponisten besser spüren.
Clay Hilley verkörperte den Tenor/ Bacchus mit präsenter Intensität, tenoralem Biss, souverän gesetzten Spitzentönen, musikalischer Phrasierung sowie erfahrener, klug eingeteilter Stimmführung und Authentizität.
Sehr gut ergänzten Daniel Lökös (Offizier), Jörg Schneider mit auffallend sicheren Spitzentönen (Tanzmeister), Wolfram Igor Derntl (Perückenmacher), Marcus Pelz (Lakai).
Erin Morley zwitscherte, in positivstem Sinne, die halsbrecherische Arie der Zerbinetta „Großmächtige Prinzessin… Sind wir nicht Frauen unter uns“. Mit Koketterie, enormer stimmlicher Flexibilität, Gewandtheit und Virtuosität führte sie ihre Stimme in schwindelerregende Höhen, faszinierenden Koloraturketten, Kantilenen und atemberaubenden Kadenzen. Ein wahres Bravourstück.
Anja Kampe beeindruckte als sehr ausdrucksstarke, tief empfundene und durchschlagskräftige Primadonna/ Ariadne. Bühnenbeherrschend mit großer Emotionalität erfüllte sie diese vielschichtige und gefühlvolle Frauenfigur.
Aufhorchen ließ Stefan Astakhov in der Rolle des Harlekin „Lieben, Hassen, Hoffen, Zagen“ mit durchschlagskräftiger, präsenter Stimme, klarer Aussprache und souveräner Rollenidentifikation.
Humorvoll, homogen und beweglich Andrea Giovannini (Scaramuccio), Simonas Strazdas (Truffaldin), Hiroshi Amako (Brighella).
Vollmundig und anmutig, hochmusikalisch und stimmschön die drei Nymphen, Maria Nazarova (Najade), Stephanie Maitland (Dryade) und Jenni Hietala (Echo).
Eine eindrucksvolle Aufführung, die das Meisterwerk von Richard Strauss sehr gut repräsentierte und positiv nachwirkte!
Marisa Altmann-Althausen

