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WIEN/ Staatsoper: ARIADNE AUF NAXOS

05.03.2016 | Oper

Wiener Staatsoper: „ARIADNE AUF NAXOS“ am 4.3.2016

Vorspiel zu 'Ariadne auf Naxos': Sophie Koch (Komponist) und Hila Fahima (Zerbinetta). © Wiener Staatsoper/Christian Pöhn

Vorspiel zu »Ariadne auf Naxos«: Sophie Koch (Komponist) und Hila Fahima (Zerbinetta).
© Wiener Staatsoper/Christian Pöhn

Ein Operndirektor braucht gute Nerven. Beide weiblichen Hauptdarsteller mussten absagen und möglichst gleichwertiger Ersatz musste gefunden werden. Für die vorgesehene Krassimira Stoyanova sprang die bereits bekannte und mehrfach bewährte Gun-Brit Barkmin ein und überzeugte auch in der Rolle der Ariadne. Sie hat so ziemlich alles, was sie für eine Interpretin großer Frauenrollen von Richard Strauss prädestiniert: Blendendes Aussehen, eine flexible Stimme, um die großen Bögen bruchlos zum Klingen zu bringen, und eine beachtliche Bühnenpräsenz. Ein neues Detail in der Darstellung sei der Vollständigkeit halber erwähnt: Während der großen Arie der Zerbinetta verlässt Ariadne plötzlich den Modus der Trauerweide und deutet mit eindeutigen Gesten dem auf der Bühne anwesenden Musiklehrer hinter dem Rücken der Zerbinetta, er solle sie doch endlich zum Schweigen bringen, die endlosen Koloraturen machen sie noch wahnsinnig – eine Nuance in der Darstellung, die ihr Rezensent so noch nicht gesehen hat.

Auch für die Zerbinetta hat die Staatsoper vollwertigen Ersatz parat, sogar aus dem Ensemble: Hila Fahima hat sich stimmlich enorm entwickelt und verkörpert heute eine sichere Interpretin dieser schwierigen Rolle. Verdiente Bravorufe dankten ihr für eine spektakuläre Wiedergabe ihrer Arie „Großmächtige Prinzessin,…“. Der Komponist ist eine der Paraderollen von Kammersängerin Sophie Koch, was sie auch an diesem Abend unter Beweis stellte. Gerhard A. Siegel, ein weithin geschätzter Herodes und Mime, war den – zugegeben – enormen Anforderungen des Bacchus nicht gewachsen und wirkte stimmlich schwer angeschlagen. Es zeigt von gesunder Selbstkritik, dass er auf einen Solovorhang verzichtete. Eine Umbesetzung in den Folgevorstellungen kann nicht ausgeschlossen werden.

An der Besetzung der übrigen Rollen kann man die Qualität des Ensembles ablesen, das sich dieses Mal von seiner guten Seite zeigte. Das begann schon im Vorspiel mit Jochen Schmeckenbecher, der einen stimmlich und darstellerisch markanten Musiklehrer interpretierte. Norbert Ernst ist ein köstlicher Tanzmeister, was auch für Alfred Sramek als Lakai gilt. Der Harlekin wurde wurde von Manuel Walser ordentlich gesungen, etwas mehr Charme und Witz hätte seine Interpretation noch vertragen, was aber sicher noch kommen wird. Die übrigen Spaßmacher hatten auf diesem Gebiet mehr zu bieten: Carlos Osuna (Scaramuccio), Wolfgang Bankl (Truffaldin) und Joseph Dennis (Brighella). Das Damenterzett Andrea Carroll (Najade), Rachel Frenkel (Dryade) und Caroline Wenborne (Echo) klang insgesamt sehr harmonisch.

Es ist immer ein reines Vergnügen, Peter Matic bei seiner Interpretation des hochnäsigen und präpotenten Haushofmeisters zuzuhören. Mit seiner fulminanten Sprechtechnik ist er noch im hintersten Winkel auf der Galerie leicht zu verstehen.

Der Dirigent Cornelius Meister ist ein Gewinn für die Staatsoper. Er führte souverän das Orchester der Wiener Staatsoper und sorgte für engen Kontakt zwischen Bühne und Orchester. Die Musiker scheinen ihn sehr zu schätzen, denn sie spielten mit besonderer Konzentration und Aufmerksamkeit. Auch die gelungene Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf in der werkgerechten und stimmungsvollen Ausstattung von Rolf und Marianne Glittenberg trug ganz wesentlich zu einem vergnüglichen Opernabend bei. Das animierte Publikum dankte den Künstlern mit viel Applaus.                                  

Hans Sabaditsch

 

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