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WIEN/ Staatsoper: ANIMAL FARM . Revolutions-Reprise

Wien/Staatsoper:
16.6.26 „Animal Farm“, Staatsoper, „Revolutions-Reprise“

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An der Staatsoper machen Tiere wieder Revolution. Alexander Raskatovs Oper „Animal Farm“, basierend auf dem gleichnamigen Roman von George Orwell, ist für vier Vorstellungen ins Repertoire zurückgekehrt. Besucht wurde die zweite Aufführung der laufenden Serie.

„Animal Farm“ wurde 2023 in Amsterdam uraufgeführt. 2024 folgte die Premiere an der Wiener Staatsoper. Die aktuelle Wiederaufnahme beweist: Werk und Produktion funktionieren auch abseits von mediengesteuertem Premieren-„Hype“. Die Geschichte, die sich George Orwell in den 1940er-Jahren aufgrund seiner eigenen Erfahrungen mit dem Stalinismus ausgedacht hat, ist einfach zu gut.

Die Oper von Alexander Raskatov ist nur eine von vielen Bearbeitungen, die der Roman im Laufe der Jahre erfahren hat. Raskatov, im Todesjahr Stalins in Moskau geboren, hat Orwells Text noch um Zitate, etwa von Stalin selbst, erweitert. „Animal Farm“ steht im Kontext einer russischen, satirischen Operntradition, wobei in diesem Fall die Satire böse, brutale Züge annimmt. Und wenn im Finale der „Tier-Revolution“ die Schweine menschliche Eigenschaften annehmen, dann wird in der „Vermenschlichung“ der Tiere auch die „Vertierung“ des Menschen entlarvt und dessen hohlphrasiges revolutionäres Pathos.

Der Komponist hat bei seiner Vertonung den Tieren von Orwells Bauernhof eine ausgefeilte musikalische Charakteristik verpasst, die sich von Tierlauten ableitet und zugleich von einem hohen Wiedererkennungswert geprägt ist: Pferd Mollies Wiehern in höchsten Soprantönen, das intellektuelle „Krächzen“ des Raben Blacky, der in die Höhe getriebene, agitative Tenor von Schwein Squealer usf. Dazu gesellt sich die stark rhythmische Akzentsetzung des aufwendig instrumentierten, mit üppigem Schlagwerk angereicherten Orchesters, das sich bruchstückartig aus der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts speist – mit Dmitri Schostakowitsch als musikalischem „Mentor“…

Der Gesamteindruck von „Animal Farm“ ist zwar etwas spröde, aber das Publikum zeigte kaum Tendenz zur Abwanderung – und ich hatte nicht wie zuletzt bei György Kurtágs „Fin de partie“ den Eindruck einer sich umfassend breitmachenden Langeweile. Die Sitzplätze waren sehr gut ausgelastet, der Galeriestehplatz war sehr schlecht besucht. Der Schlussapplaus lag bei fünf Minuten, auch mit Bravorufen für Sänger und Sängerinnen, Dirigent und Orchester – und den sich verbeugenden Komponisten.

http://www.operinwien.at/werkverz/raskatov/aanimal3.htm

Dominik Troger/ www.operinwien.at

 

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