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WIEN/ Staatsoper: AIDA – Damentag

23.03.2015 | Oper

WIENER STAATSOPER: AIDA am 22.03.2015 – Damentag


Franco Vassallo, Sondra Radvanovsky. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 Die erste Vorstellung der Serie wurde von zwei außergewöhnlichen Sängerinnen geprägt. Sondra Radvanovsky sang die äthiopische Prinzessin erstmals in Wien und löste wahre Begeisterungsstürme aus. Die amerikanische Sopranistin, die wir hier im Haus schon als Herzogin Elena – I Vespri Siciliani und als Amelia – Un ballo in maschera erleben konnten, befindet sich in einer beneidenswerten stimmlichen Verfassung und gestaltete die Aida voll Leidenschaft und mit traumhafter Sicherheit und Leichtigket. Ihre große Stimme erlaubt ihr sowohl mächtige Präsenz als auch die zartesten Piani in atemberaubenden Höhen. Das alles ohne störendes Vibrato und Schärfe – Wohlklang in allen Lagen; besonders in den tiefen Bereichen, die so manche Mezzosopranistin in Verlegenheit bringen kann.

 Diese Gefahr bestand aber auch beim zweiten weiblichen Superstar des Abends absolut nicht. Luciana D’Intino war wieder einmal eine Amneris die die riesige Tessitura mühelos und schönstimmig beherrschte. Die Registerwechsel gelangen fließend, ohne hörbaren Bruch; in den tiefen Passagen konnte man feststellen, dass hier eine echte Mezzosopranistin und nicht eine „Sopranistin ohne Höhe“ am Werk ist.

 Neben diesen herausragenden Sängerinnen machte die dritte Dame des Abends – Olga Bezsmertna als Priesterin eine mehr als passable Figur und bestätigte mit schönem und technisch gut geführtem Ausdruck das hohe Niveau des Ensembles der Wiener Staatsoper.

 Die Herren hatten bei dieser Frauenpower an diesem Abend einen schweren Stand. Jorge de Leon, der den Radames zum zweiten Mal in Wien sang, hinterließ auch diesmal wieder einen zwiespältigen Eindruck. Den schmetterndern Heldentenor wird man bei ihm vergeblich suchen – in den dramatischen Stellen neigt er zu starkem Vibrato und zu gepresstem Gesang – er gelangt deutlich an seine persönlichen Grenzen. Ganz anders ist der Eindruck in den lyrischen Passagen: Das „Celeste Aida“ wurde sehr schön gestaltet – gesungen, nicht gebrüllt! und in der Kerkerszene hörten wir – gemeinsam mit einer sensationellen Aida – ein berührendes Duett, wie wir es schon lange (seit 2009 mit Botha und Urmana) nicht mehr gehört haben.

 Franco Vasallo hatte als Amonasro sein Rollendebut an der Wiener Staatsoper und gestaltete den König der Äthiopier erwartungsemäß mit schöner Stimme und gepflegtem Ausdruck. Als kleine Einschränkung zu seiner Leistung ist anzumerken, dass die Bedrohlichkeit dieses rücksichtslosen Kriegers stimmlich überhaupt nicht vermittelt wurde.

 Die Herren des Ensembles zeigten sich mit den Gästen zumindest auf Augenhöhe. Sorin Coliban war – nach geringfügigen Startschwierigkeiten (ungewohntes Vibrato) ein sehr guter, mächtiger Ramfis. Er vermittelte durch seinen dominanten, schwarz gefärbten Bass und durch seine Körpergröße die Bedrohlichkeit, die dem Amonasro fehlte. Ryan Speedo Green zeigte als König, dass er ein echter Gewinn für das Ensemble der Wiener Staatsoper ist; Jinxu Xiahou sang einen makellosen Boten.

 Philippe Auguin stand erstmals in Wien bei einer Aida am Pult und präsentierte eine solide Interpretation – sowohl der mächtigen Verdi–Klänge als auch mit einfühlsamer Zurückhaltung im Lyrischen. Das fehlerlose Staatsopernorchester setzte gekonnt die erwarteten Höhepunkte, das Solochello (Nagy) und die Blechbläser waren herausragend. Wir haben das Staatsopernorchester aber schon temperamentvoller und leidenschaftlicher Aida spielen gehört.

Maria und Johann Jahnas

 

 

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