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WIEN/ Staatsoper: ADRIANA LECOUVREUR. Jubel für das „Opern-Traumpaar“

16.11.2017 | Oper

 

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Anna Netrebko (Adriana), Piotr Beczala (Maurizio). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 

WIEN / Staatsoper: Jubel nach „ADRIANA LECOUVREUR“ mit dem „Opern-Traumpaar“

15.11. 2017 – Karl Masek

Am 6. November 1902 hatte das Verismo-Stück die Uraufführung im TeatroLirico in Mailand. Angelina Pandolfini war die erste „Diva Adrienne“ und kein geringerer als Enrico Caruso kreierte als Erster den wankelmütigen Feldherrn und Liebhaber Moritz von Sachsen.

112 Jahre zogen ins Land, bis Francesco Cilèas einzige seiner insgesamt fünf Opern, die sich einigermaßen im Repertoire der Opernhäuser halten sollte, den Weg an die Wiener Staatsoper fand. Die Erstaufführung im Haus am Ring fand – kaum zu glauben – erst am 16. Februar 2014 in dieser Inszenierung statt. Wie sonst auch etliche Male war die Wiener Volksoper wieder etwas schneller: Hier hob sich der Vorhang für  die erste Wien-Aufführung „bereits“ im Dezember 1969 …

Adriana Lecouvreur lebte von 1692 bis 1730 und war ein Star der Comédie-Française und der angebliche Giftmord der Herzogin von Bouillon an der Rivalin um die Gunst des Maurizio, Conte di Sassonia, inspirierte Cilèa als Basis zu seiner Oper.

Die Divenrolle wurde im Laufe der Jahrzehnte von vielen Superstars der Opernbühne gesungen – genannt seien Renata Tebaldi, Montserrat Caballé,Renata Scotto, Mirella Freni und – 2014 in Wien: Angela Gheorghiu.

Für Anna Netrebko ist diese Rolle wie geschaffen. Sie betört in diesem veristischen „Reißer“ um Liebe, Eifersucht und Tod eines Theaterstars das Publikum. Im derzeitigen Stadium ihrer Stimmentwicklung liegt ihr die Rolle geradezu ideal in der Kehle. Mit dem staunenswerten Tonumfang von der immer dunkler werdenden cremigen, ja rauchigen Mittellage bis hinauf zu der fantastisch aufgehenden,   strahlenden Höhe scheint sie für die vielschichtige Rolle, die auch melodramatischen Sprechgesang verlangt, derzeit ohne Konkurrenz zu sein. Die Netrebko spielt nicht eine Diva (wie ihre Vorgängerin Gheorghiu), sie IST diese Diva, steigert sich bis zum Gifttod im Finale atemberaubend und darf am Ende stehende Ovationen entgegen nehmen.

Und diesmal gab es tatsächlich (vor allem im Schlussbild) ein Opern-Traumpaar zu hören und zu sehen: Piotr Beczala nähert sich anscheinend der Form seines Lebens. Großartig, wie er seine edel timbrierte, dramatischer gewordene Stimme technisch beherrscht. Wunderbar, wie gesund und voller Schmelz diese Stimme klingt, wie herrlich er bis in höchste Höhen rund phrasiert. Und mit der Netrebko als Partnerin zeigte er sich auch darstellerisch hochmotiviert und stellte (glaubwürdiger als früher) einen „Liebhabertyp“ dar, der skrupellos ist, wenn er sich politische Vorteile erhofft und Blumen (die Veilchen!) an die Principessa von Bouillon weitergibt, die er eben von Adriana geschenkt bekommen hat. Die berühmt-lange Todesszene wurde von beiden mit unüberbietbarer Dramatik gestaltet. Auch er wurde ausgiebig gefeiert.

Die Inszenierung von David McVicar, spielt bewusst in der eigentlichen Zeit, nämlich im Paris des Jahres 1730.Wie schön, derlei hie und da doch noch zu sehen!Und nicht wie so oft  willkürliche Raum- und Zeitverschiebungen!  Man sah eine rundum gelungene Ensembleleistung.

Roberto Frontali war der unglücklich in Adriana verliebte und mit seinem fortgeschrittenen Alter berührend hadernde Theaterinspizient Michonnet (mit noblem Bariton), Elena Zhidkova war die explosive Veilchenblumen-Giftmörderin und „matchte“ sich stimmlich mit der Netrebko auf Augenhöhe. Raúl Gimenez (Abate), Alexandru Moisiuc (Il Pricipe di Boouillon), sowie Ryan Speedo Green, Pavel Kolgatin, Tobias Huemer, Bryony Dwyer und Miriam Albano erfüllten die Randfiguren mit Leben.

Evelino Pidò dirigierte schon die Premiere vor dreieinhalb Jahren und bewährte sich einmal mehr als souveräner Klanggestalter und temperamentvoller Antreiber des veristischen Geschehens. Das Orchester der Wiener Staatsoper hatte einen großen Abend.

Ausverkauftes Haus. Das Opernglück schien am dritten Abend der aktuellen Serie vollkommen.

Karl Masek

 

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