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WIEN/ Staatsballett: MANON (Ballettrepertoire) und ein kurzer Blick auf die kommende Saison

am 21.5. (Meinhard Rüdenauer

22.05.2026 | Ballett/Performance

Staatsoper / Ballettrepertoire: „Manon“ und ein kurzer Blick auf die kommende Saison

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Alessandra Ferri. Foto:attitude/Ricardo Leitner

Alessandra Ferri, früher italienischer Tanzstar mit Erfolgen rund um die Welt, zieht Bilanz über ihr erstes Jahr als Leiterin des Wiener Staatsballett. Leistungen und Besucherzahlen: Keine Klage. Das Zusammenfügen einer total international zusammengesetzter Kompanie ist sehr positiv verlaufen. Österreicher finden wir unten den Damen und Herren im Solistenstatus allerdings keine mehr. Der Aufbau, die Führung  von Heranwachsenden in der eigenen Jugend hat hier versagt. Dieses doch sehr wesentliche Problem im heimischen Kulturleben scheint im Gewissen der Politiker wie Bundestheater-Verantwortlichen jedoch abgehackt zu sein. 

Ferri setzt in der kommenden Saison ihre Programmlinie fort: Einer der großen Ballettklassiker, einmal mehr Rudolf Nurejews brillante „Schwanensee“-Einstudierung aus den 60er Jahren, sowie überwiegend Tanzschöpfungen führender englischer, amerikanischer Choreographen aus den Tagen ihrer früheren Karriere. Im Mittelpunkt: John Neumeiers „Nijinsky“ und Wayne McGregors „Woolf Works“ (Reflexionen über Virigina Woolfs Poetik). Die eigene groß kreierte Tanzschöpfung, Markenzeichen jedes Hauses, fehlt vorläufig noch. Immerhin choreographiert Eno Peci, langgedienter und verdienstvoller Solotänzer des Ensembles, als Uraufführung „Burden Loops“ zu Musik von Philip Glass in der Volksoper.

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Foto: Wiener Staatsballett/ Ashley Taylor

Als Wiederaufnahme ist in diesen Tagen die tragische Geschichte der „Manon“ im Spielplan der Staatsoper angesetzt. Eines der Meisterwerk von Kenneth McMillan (1929 – 1992): Mit dem Londoner Royal Ballet auf Musik von Jules Massenet 1974 erarbeitet und seit 1993 in der Staatsoper mehrmals wieder aufgenommen. Mehrere Besetzungen sind diesmal für sieben Abend aufgeboten. Das Ensemble zeigt sich in diesem dramatisch wirkungsvoll gestalteten Handlungsballett mit seinen zahlreichen fein charakterisierenden Tänzen spielfreudig, gut einstudiert, trägt die historischen Kostüme mit Stil. Wunderbar lebt sich Cassandra Trenary in die Rolle der unglücklichen Manon ein. Victor Caixeta ist ihr als Des Grieux ein höchst eleganter Partner. Perfekte Leistungen, eine von ihnen mit ungemeiner Geschmeidigkeit und mit aller Präzision demonstrierte Tanzkunst. Die gute Hand zur Entwicklung des Ensembles scheint Alessandra Ferri gegeben zu sein.   

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Foto: Wiener Staatsballett/ Ashley Taylor

Meinhard Rüdenauer

 

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