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WIEN/ Staatsballett in der Staatsoper: „PEER GYNT“ – eine eindringliche Parabel über das Scheitern im Leben 

11.11.2019 | Ballett/Tanz

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„PEER GYNT“, 10.11. – eine eindringliche Parabel über das Scheitern im Leben 

Ein starkes Stück, eine starke Aufführung. Die Tanztheater-Version von Henrik Ibsens „Peer Gynt“ des rumänischen Choreographen Edward Clug, uraufgeführt 2015 durch das Ballett des Slowenischen Nationaltheaters und voriges Jahr auch vom Wiener Staatsballett einstudiert, kann in depressive Bahnen lenken: Es ist eine Parabel in düsteren Farben über das Scheitern eines aufbegehrenden jungen Menschen, welche von den Tänzern mit eindringlicher Intensität erzählt wird. Clug geht einen stilistisch sehr persönlichen Weg, zeigt von den  Bergtrollen bis zu den Marokkanern und der Irrenhaus-Szene eigenwillige, von Pausen durchsetzte  Bilder, vermag aber immer wieder in den von Ibsen vorgegeben Episoden Spannungen aufzubauen und den Nerv zu treffen. Vom Übermut des jungen Peer bis zur Hilflosigkeit, der Ergebenheit des Gealterten in den Armen seiner frühen Liebe …. und dem Tod. 

Clugs bester Assistent: Edward Grieg und eine delikate, völlig stimmige Auswahl aus seinem hier stimmungsmäßig stets verblüffenden Melodienschatz. Die Tristesse der Geschichte bekommt dadurch einen edlen, menschlich ansprechenden Anstrich. Bestens sind aber auch die Tänzer, denen die zwar des öfteren etwas drastischere, doch durchaus originelle Gestaltung offensichtlich anzusprechen vermag. Hingebend ist Jakob Feyferlik als unpathetischer und in seiner Unbeholfenheit, seinem andauernden Versagen voll überzeugender Titelheld. Und: Eno Peci als skurriler Tod; Zsolt Török als stolzer Hirsch; Rebecca Horner als die frivole Frau in Grün. Weiters Erika Kovácová (Aase), Ioanna Avraam (die Braut Ingrid), Madison Young (Anitra). Dirigent Simon Hewitt bewährt sich als Verwalter der wechselnden musikalischen Stimmungen und Pianistin Shino Takizawa in den Sätzen zwei und drei von Griegs Klavierkonzert.

Meinhard Rüdenauer

 

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