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WIEN/ Staatsballett in der Staatsoper: „MACMILLAN / MCGREGOR / ASHTON“

25.02.2020 | Ballett/Tanz

Wiener Staatsoper, Wiener Staatsballett: „MACMILLAN / MCGREGOR / ASHTON“, 24.2.2020

Ein dreiteiliges Programm des Wiener Staatsballetts, ein nicht übermäßig gewichtiges und eher inhomogen wirkendes. Doch ein stilistisch interessantes, da die drei Choreographen – ein britisches Trio –jeweils mit einem total anderen musikalischen Zugang ihre Stücke konzipiert haben.

Nr.1: „Concerto“. Kenneth MacMillan folgte in Berlin in seinem 1966 kreierten neoklassischen Paradestück maliziös den Intentionen der Musik. Und Dmitri Schostakowitschs 2. Klavierkonzert ist reich an funkelnden Ideen. Deren Aussagen, Rhythmen werden in Bewegung umgesetzt, und es ergibt sich ein lebendiges Wechselspiel zwischen den Solisten (u.a. Olga Esina, Alice Firenze, Kiyoka Hashimoto, Davide Dato) und dem dazu spritzige Ornamente abliefernden Corps.  

Nr.2: „Eden / Eden“. Wayne McGregor beschwörte 2005 mit dem Stuttgarter Ballett in einer dunklen Vision die damals aufkeimenden Cyborg-Phantasien. Zu lautem, allzu lautem und sich ständig wiederholenden und mit beschwörenden Wortfetzen garniertem Computersound. Ein kleine anonym bleibende Tänzerschar treibt dazu virtuose Körpergymnastik – überdrüber der klirrenden Klänge, für Auge und Ohr mehr und mehr ermüdend. 

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Liudmila Konovalova, Jakob Feyferlik. Foto: Ashley Taylor/ Staatsballett.

Nr.3: „Marguerite and Armand“. Englands früherer nobler Ballettpapst Frederick Ashton schuf 1963 in London für das damalige Traumpaar Rudolf Nurejew und Margot Fonteyn eine Kurzfassung der Kameliendame-Liebestragödie. Romantisch geglättet aufgezäumt, der orchestrierten Fassung von Franz Liszts h-Moll Klaviersonate folgend. Man kann zwar Sehnsucht spüren, doch es ergibt keine prickelnde Nacherzählung. Die Pantomine wirkt heute antiquiert, Spannungen stellen sich nur in wenigen Momenten ein, die Aufführung lebt von der starken spielerischen Hingabe von Liudmila Konovalova und Jakob Feyferlik. Der Abend insgesamt: Mit Faycal Karoui als Dirigent für Liszt und Schostakowitsch kein echtes Highlight, doch er bietet ein informatives Wandeln durch die Ballettgeschichte des letzen halben Jahrhunderts. 

Meinhard Rüdenauer

 

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