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WIEN/ Staatsballett: A SUITE OF DANCES. Ein US-Trip mit frisch gebliebenen Jerome-Robbins-Klassikern

06.06.2021 | Ballett/Tanz

Wiener Staatsballett: „A Suite of Dances“, 4.6.2021

Ein US-Trip mit frisch gebliebenen Jerome-Robbins-Klassikern

Frisch gehalten und spritzig geblieben sind die beiden Tanzkreationen von Jerome Robbins, welche 2011 für eine „Hommage an Robbins“ vom Wiener Staatsballett einstudiert wurden. Nach wie vor modern wirkend, zählen „The Concert“ (eine humorvolle Satire auf klassische Musik-Genießer aus dem Jahr 1956) und „Glass Pieces“ (1983, wirbelig & dahinstürmend zu gut dröhnendem Sound von Philip Glass) zu Klassikern des zeitgenössischen Tanzkunst aus der USA geworden. Nun, Robbins (1918 – 1998) dieses Choreographie- und Regiegenie aus den großen Jahren des New Yorker Broadways, hat mit seinen Inszenierungen der „West Side Story“ oder von „The Fiddler on the Roof“ seinen fixen Platz in der Musikgeschichte. In seinen späteren Jahren hat Robbins, der als junger Tänzer in Modern Dance ausgebildet wurde, dem Broadway Adieu gesagt und sich George Balanchines legendärem New York City Ballett, damals in vollster Blüte, als Ballettmeister angeschlossen.

Wiener Staatsballett: „A Suite of Dances”
Davide Dato: Foto: Ashley Taylor/ Wiener Staatsballett

Beide so unterschiedlichen Erfolgsstücke stehen an Anfang und Ende dieses Ballettabends zum Abschluss einer durch die Pandemie verpatzten Saison, in der sich die neue Ballettleitung noch nicht so richtig zu profilieren vermochte. Im konträren Mittelteil wird mit feinsinniger Kammermusik eine andere Sensibilisierung angepeilt. „A Suite of Dance “ steht über diesem gesamten Abend, und so ist auch Robbins tänzerisches Kleinod betitelt, in welchem er einen Tänzer (Eno Peci mit Stil) in Korrespondenz zu einer Bach-Piecen vortragenden Cellistin (nobel Ditta Rohmann) treten lässt. Und dazu passt auch das „Duo Concertant“, welches George Balanchine in den frühen 70er Jahren für sein Edelpaar Peter Martins und Kay Mazzo auf das gleichnamige, allerdings schon ziemlich spröde Violin-Klavier-Duo von Igor Strawinski entworfen hatte. Die hochelegante Kiyoko Hashimoto und der virtuose Davide Dato sind in deren Spuren getreten. Effektvoller für das Publikum aber zurück zu „The Concert“ mit Maria Yakovleva (sehr, sehr kapriziös), Gala Jovanovic (so richtig streng), Andrey Teterin (darf sich einmal in einer Charakterrolle ausleben). Und dazu auf der Bühne Igor Zapravdin als Chopin-Pianist und die Pointen souverän ausspielender Komödiant. Die Staatsballett-Newcomer Claudine Schoch und Marco Menha haben im Mittelteil der sonst so fiebrig wurlenden „Glass Pieces“ Ruhe ausgestrahlt.

Und mit Benjamin Pope ist schon wieder eine neuer, hier noch unbekannter Dirigent am Pult gestanden – ein balletterfahrener Musik-Allrounder aus dem United Kingdom.

Meinhard Rüdenauer

 

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