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WIEN/ Staaatsoper: LUCIA DI LAMMERMOOR. Wenn die Erwartungen zu hoch sind, folgen unweigerlich Enttäuschungen

WIENER STAATSOPER: LUCIA DI LAMMERMOOR am 19.4.2022

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Lisette Oropesa, George Petean. Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Wenn die Erwartungen zu hoch sind, folgen unweigerlich Enttäuschungen. Die Papierform und Berichte der ersten Vorstellung dieser Aufführungsserie der „Lucia“ ließen auf einen herrlichen Opernabend schließen. Aber dann hörte sich das Vorspiel schon recht zäh an, Dirigent Evelino Pido, eigentlich Fachmann für Belcanto, hatte das Orchester an der langen Leine. Da war viel Luft nach oben, denn auch manche Begleitung geriet zu langsam oder zu laut. Das Geschehen auf der Bühne wurde dadurch nicht begünstigt.

Die Produktion (Laurent Pelly regie/Kostüme, Chantal Dumas Bühne), eine Orgie in Grau, mit gelegentlich blutrotem Hintergrund, ist schon ein Klassiker im Haus, verglichen mit anderen Neuproduktionen sogar ein Hit. Lisette Oropesa als Lucia war der Star des Abends. Ihre höhensichere Stimme, das etwas metallisch klingende Timbre (erinnert ein wenig an Maria Callas) war ideal für diese Rolle. Kleiner Einwand: Gelegentlich fand sie nicht die rechte Tonhöhe, das tat aber ihrer großartigen Leistung keinen Abbruch. George Petean war als Enrico ein Fels in der Brandung, seine Leistung – tolle Höhe, viel Kraft – wurde nur durch die etwas eindimensional klingende Stimme getrübt. Roberto Tagliavini als Raimondo konnte seinen markigen, wohlklingenden Bass bestens einsetzen.

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Benjamin Bernheim, Lisette Oropesa. Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Ein wenig enttäuschend klang Benjamin Bernheims Edgardo, sein heller kräftiger Tenor wandert bereits deutlich in Richtung dramatisches Fach. Das Auftrittsduett mit Lucia war durch zu viel Kraft gekennzeichnet, da hätte er sehr viel mehr Gefühl statt Energie einsetzen müssen. Die sichere Höhe und die Durchschlagskraft seiner Stimme waren aber sehr beachtenswert.

Gut besetzt die kleinen Rollen, Josh Lovell als Arturo und Patricia Nolz als Alisa.

Trotz der Einwände ein guter Repertoire-Abend.

Johannes Marksteiner

 

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