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WIEN/Opernsommer: LA TRAVIATA – „Hochkarätige Oper unter freiem Himmel.

16.07.2025 | Oper in Österreich

Wiener Opernsommer:„Hochkarätige Oper unter freiem Himmel. Top-Class Open-Air Opera“


So wurde diesmal Giuseppe Verdis „LA TRAVIATA“ in allen Medien angekündigt. 
Wohl wissend, dass man sich in diesem Rahmen– auf dem winterlichen Eislaufplatz neben dem Großen Konzerthaus – auf eine zumeist hohe Qualität dieser Aufführungen verlassen kann, soll sie auch im „Neuen Merker“ entsprechend gewürdigt werden.

Auch wurden uns spontan Pressekarten zugesichert. Es überraschte uns beim Einlass jedoch nicht, dass man uns, Dr. Ursula Szynkariuk und Dr, Sieglinde Pfabigan, verwundert fragte, was bzw. wer denn eigentlich der „Merker“ sei. Ein überraschtes Lächeln der zuständigen Damen, als wir ihr mitteilten, dass es diese Zeitschrift seit über 50 Jahren gäbe und sie gegründet wurde, damit über jede Aufführung der Staatsoper etc.etc. berichtet werden könne.

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Bühnenbildner Prof. Manfred Waba. Foto: Nina Maier

Wie schon am Vorabend auf dem Wiener Rathausplatz beim „Filmfestival“ – bei freiem Eintritt! -, wo ich mir eine „Butterfly“ aus der Staatsoper angeschaut habe, entnahm man diversen Gesprächen der Anwesenden, dass das alles für sie neu war. Und nicht wenige Besucher aller Generationen und weltweiter Herkunft kamen und gingen im Verlauf des Abends: –

Etwas kultivierter ging es allerdings bei der „Traviata“-Aufführung zu, denn da brauchte man ganz normal zu bezahlende Eintrittskarten. Abendliche Kleidung der Besucher und die Vorankündigung: „Die Abendkasse und die kulinarischen Angebote öffnen mit dem Einlass um 18,30 Uhr.“  verstand sich hiemit von selbst. Beginn war um 20,00 Uhr, was sich als recht vorteilhaft erwies, denn der 1. und 2.Akt konnte somit noch bei Tageslicht stattfinden und erst der 3.Akt bei dunkler Nachtstimmung. Die seitens der Regie dafür präsentierte abendliche Feststimmung mit großem Chor und Ballett , die dann eindrucksvollst mit dem tragischen Ende der Oper korrespondiert, ließ Verdis Musikdrama zu einem für alle Anwesenden tief beeindruckenden Musikdrama werden.

Eine wunderbare Idee des Intendanten und Dirigenten des Festivals, Joji Hattori, auch für Erstbesucher zum Verständnis des Werkes einen Erzähler einzubauen. Der oscarprämierte Schauspieler Karl Markovics stellte sich vor Beginn der Musik mit grauem Bart und großem Hut (einem historischen Foto nachgebildet) als Giuseppe Verdi in hohem Alter vor, um  die Handlung dieses  tragischen Musikdramas für alle Anwesenden verständlich zu erklären. Jubel für diese „Einleitung“ war ihm vonseiten aller Besucher sicher.

Das Orchester unter Joji Hattori, der auch der Intendant des Festivals ist, befindet sich unter Dach auf der linken Seite unterhalb des Konzerthauses, dank der heutigen Technik ließ sich der Klang aber für alle Anwesenden gleich gut hörbar nach außen übertragen. Und die Übereinstimmung von Instrumental- und Vokalangebot war zu bewundern.

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Nathalie Penas-Comas, Thomas Weinhappel. Foto: Sieglinde Pfabigan

Als fabelhafte Titelheldin begeisterte die dominikanische Sopranistin Nathalie Pena-Comas, vom Aussehen her, mit wunderbarer, in allen Lagen gleich gut ansprechender Stimme und tief beeindruckender Rollengestaltung. Alfredo Germont war an diesem Abend der Tiroler Tenor David Kerber, der diese Rolle auch schon an der Volksoper gesungen hat. Es muss wohl an den unterschiedlichen Positionen auf der großen, breiten Bühne gelegen sein, dass seine angenehme, in allen Lagen verlässliche Stimme nicht von überall her gleich stark ansprach. Seine darstellerische Intensität bei aller Freud und allem Leid, das der Komponist dem Tenor anvertraut hat, war auf jeden Fall begeisternd. Und neben diesen beiden Protagonisten war der einzige Solist, den wir bereits bestens von diversen anderen Auftritten im In und Ausland kannten, „unser“ Thomas Weinhappel mit seiner Holländer-, Telramund- und Wotanstimme. Mit seinem  würdevollen Auftreten als Giorgio Germont, emotionaler Vollpräsenz und vokal immer wohlklingend, vermochte er Alfredos Vater eindringlichst zu gestalten.

Ghazal Kazema als Flora Bervois, Juliette Kjhalil als sehr gute Annina (eine Rolle, die oft unterbewertet bleibt), Aaron McInnis als Gaston und Alexander Dimitrov als Marquis d’Obigny & Doktor Grenvil verdienen ebenfalls großes Lob. Nicht zuletzt Das Tanzensemble, das Wiener Kammerorchester und der Philharmonia Chor Wien.

Inszenierung: Dominik Am Zehnhoff-Söns; Bühnenbild, Projektionen und Kostüme– Manfred Waba; Choreographie –Jessica Wurzer; Chorleitung – Prof Walter Zeh.
Alle noch Ungenannten mögen sich vom Gesamtlob mit betroffen fühlen.

Sieglinde Pfabigan

 

 

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