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WIEN/ Opernsommer/ Heumarkt: CARMEN. Spanien siegt überall

03.07.2026 | Oper in Österreich

Opernsommer Carmen 2.7.2026

Spanien siegt überall

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Ja, es sind Sommerproduktionen, die nun schon zum dritten Mal im sonst opern- und konzertlosen Juli in Wien stattfinden, aber es sind Produktionen, die im Niveau nicht zu unterschätzen sind – im Vorjahr konnte man zum Beispiel Liparit Avetitsian als Alfredo erleben, heuer ist es vor allem Isabel Leonard in der Titelrolle, die uns die Zeit zwischen Hasan und Grigorian überbrücken lässt. Aber der Reihe nach.

Joji Hattori als Intendant, Dirigent (und Gastronom, aber anders als Herr Holender meint, schickt es sich nicht, ihn auf das schicke Shiki zu reduzieren) ist der unermüdliche Motor dieses Opernsommers und zeigt nach Giovanni und Traviata in diesem Jahr die Carmen. Dass es in Wien nicht ausreichend Carmen-Produktionen gäbe, lässt sich zwar schwerlich behaupten, aber so ein Sommerfestival braucht schon seine Zugpferde. Mit dem ihm bestens vertrauten Wiener Kammerorchester packt Hattori die Partitur beherzt an, kann teils auch sehr schöne Instrumentalsoli bieten (insbesondere Fagott, Englischhorn und auch die Cellogruppe, weniger die Flöte) und fächert Bizets Schönheiten fein auf, was Anlass gibt, auch die Verstärkertechnik des Festivals zu loben (was gerade im Vergleich mit dem Praterpicknick der Wiener Symphoniker auffällt, wo zwei Riesenlautsprecher am Vortag [und zeitgleich] einen dröhnenden Einheitsbrei auf das Publikum warfen). Orchestral also gut und weit weg von Peinlichkeit.

Die Regie bietet erst recht Sommertheater, nutzt geschickt den Heumarkt für Aufmärsche, spart nicht an Ballett, führt die Personen fantasievoll und ist insgesamt so traditionell, dass man Dominik Am Zehnhoff-Söns auch für seinen Mut gratulieren muss, es so zu machen, „wie es gehört“. Zumindest als Sommertheater passt dies gut und kann neues und touristisches Publikum unverschreckt und nicht mehr ganz junge Opernstammgeher mit sanften Pflastern auf riegiegeplagten Wunden in die Spielplanpause entlassen. Bühnenbild und Projektionen von Manfred Waba, dem Großmeister der Freiluftopernproduktionen samt sehr traditionellen Kostümen fügen sich beeindruckend ein, besonders wenn sich die Seitenfassade des Konzerthauses im dritten Akt zur wilden andalusischen Berglandschaft wandelt. Eine wirkliche Konzession an das Segment, das nicht Stammpublikum ist, sind nur die – nicht überkandidelten, teils durchaus informativen – Kommentare eines als Bizet verkleideten Darstellers. Im Vorjahr hatte sich Karls Markovics Rauschebart in jenen Verdis verwandelt, diesmal klebt ein Schwarzbart an Hosea Ratschiller, nicht eben ganz das gleiche Kaliber, der sich der Aufgabe aber immerhin unpeinlich entledigt. Der Chorpart liegt dem Philharmonia Chor Wien gut, auch wenn da zum Volks- und zum Staatsopernchor doch vor allem in den Frauenstimmen eine größere Lücke klafft. Der Kinderchor ist herzig – was denn auch sonst.

Oreste Cosimo Tenore (@orestecosimotenore) • Facebook
Oreste Cosimo (Don José9. Foto. Facebook

Bleiben die Darsteller, allen voran Isabel Leonard. Da sie einen eher hellen, lyrischen Mezzo hat, muss sie sich die Carmen doch mehr erkämpfen als es einer Starbesetzung ansteht. Auch darstellerisch findet sie – offenbar um eine besonders entspannte Darstellung bemüht – noch nicht den Weg zu einer wirklich faszinierenden Titelheldin. Deutlich mehr Engagement bring Oreste Cosimo als Don José ein, der sich so richtig in die Rolle wirft und zur heldischeren Fraktion gehört. Manches klingt da mehr nach Radamès oder Otello, beeindruckt aber durch viel Kraft und intensives Spiel.

Bei den Gegenspielern setzt Daniel Gutmann einen sehr gesunden Bariton ein, auch wenn Escamillo eleganter daherkommen könnte, kommt er mit der Rolle hervorragend klar. Micaela sollte laut Programmheft Nathalie Pena-Comas sein, sah aber aus wie die Alternativbesetzung Gabriela Hrzenjak und überzeugte mit der erforderlichen braven Ausstrahlung und einer feinen Gesangsleistung.

Frasquita war bei Juliette Khalil in süßen Händen und einer der vielseitigsten, wenn auch nicht durchdringendsten Stimmen der Volksoper (Bizet nach nicht nur Lehàr, sondern auch Bonnie Tyler und Céline Dion zu 70 Jahre ESC – schon ein besonderes Phänomen, la pétite Juliette!), Sofiya Almazova ergänzte das Trio der Romni mit sattem Mezzo. Alexander Dimitrov und Leon Mignonneau zeigten das Niveau des in Österreich aufgewachsenen und ausgebildeten Nachwuchses als Zuniga bzw Moralès und Dancaire, Samuel Robertson steuerte als Remendado sehr anständige Tenortöne bei.

Opernfreunde werden einen Besuch einer Folgevorstellung nicht bedauern, selbst die – allerdings wetterbedingt um einen Tag verschobene Première war nicht eben überbucht.

Insgesamt trug Österreich damit am Heumarkt zu einem Triumpf Spaniens bei (und gleichzeitig in LA, aber das ist eine ganz andere Geschichte).

Robert Fucik

 

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