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WIEN/ Odeon: Debütkonzert der ALMA MAHLER PHILHARMONIE – kreativ auf sanfter Welle

19.03.2022 | Konzert/Liederabende

Wiener Odeon: Debütkonzert der ALMA MAHLER PHILHARMONIE – kreativ auf sanfter Welle (18.3.2022)

Alma Mahler Philharmonie
Copyright: Alma Mahler-Philharmonie

Alma Mahler …. zur Galionsfigur aufgestiegen? Ja, die Alma Mahler Philharmonie ist jetzt im Wiener Orchesterreigen frisch dabei, um sich in der heimischen Musikszene zu etablieren. Nicht konservativ, sondern auf einen kreativen Fokus ausgerichtet. ‚Alma Mahler‘ deutet schon darauf hin: eine junge Dame ist hier die Initiatorin. Die Wiener Dirigentin Clara Maria Bauer wagt den Versuch, mit rund drei Dutzend sensitiv aufspielenden MusikerInnen und assistiert von Andrea Nikolic als virtuose Konzertmeisterin ein alles andere als konventionelles Konzertrepertoire zu gestalten.

Erste Begegnung: eine wohlklingende, stets harmonisch wirkende  Mischung von Richard Wagners „Siegfried-Idyll“ oder anspruchsvoller Streicher-Piecen von Dmitri Schostakowitsch bis zu schon sehr, sehr freundlicher Moderne aus unseren Tagen. Clara Maria Bauer leitet ruhig und beherrscht ihr gut abgestimmtes Orchester mit fein schwirrendem Streicherklang. Ohne harsches Diktat. Und der imposante hohe Raum des Odeon bestätigt sich auch akustisch als idealer Konzertsaal. Die Linie in der Programmierung scheint gegeben zu sein – mit Originalität soll gestaltet werden, zeitgemäß muss es wirken, an Wohlbehagen darf es nicht mangeln. Beim Einstand ist schon so einiges auf einer besonders sanften Welle dahin geglitten.  Wie der Engländerin Jocelyn Pooks „Wonderland“-Phantasie als leckeres Dessert, verführerischer Geigensound von Andrea Nikolic in Ludovico Einaudis kurzem „I giorni“-Gustostückerl. Und auch Pianistin Adela Liculescu durfte virtuos in Takashi Yoshimatsus „Memo Flora“-Klavierkonzert aus dem Jahr 1993, ein japanisches Zeitgeist-Gefühlsbad, in schon sehr ausladenden zuckrigen Klangkaskaden mit Asia-Touch versinken.

Ein uraufgeführtes Werk hat ebenfalls zu überzeugen vermocht. Der Wiener Oskar Gigele, Jahrgang  1994, will sich als junger Komponist behaupten: „I am still here“ ist sein Concerto betitelt. Und er beschwört dabei mit lockeren Floskeln ein sanftes Tänzchen der Noten, leicht mitzuleben, durchaus duftig. Das flaumige Flirren lässt an einen neu aufkeimenden Impressionismus denken. Alle Achtung somit vor dieser Initiative junger Musiker und für deren erfolgreichem Einstand. Empfindungsvoll vorgetragen, programmatisch ausgefallen, auch nicht auf Einschmeichelstücke verzichtend. Die guten alten Harmonien verhelfen auch heutiger Mode zu einer adretten Fasson. 

Meinhard Rüdenauer

 

 

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