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WIEN/ NEW YORK/ Die Met im Kino: LES CONTES D’HOFFMANN

31.01.2015 | Oper

WIEN/ Cineplexx-Kino Landstraße: 31.01.2015   MET/Kino   „Hoffmanns Erzählungen“

Bei häufig gespielten Meisterwerken wie diesem legt man strengere Maßstäbe an als bei „exotischen“ Werken, wenn es dann auch noch aus der MET übertragen wird, steigen die Ansprüche noch um einiges. Deshalb hat die jüngste Übertragung auch nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllt. Die Inszenierung von Bartlett Sher aus 2009 wirkte ein wenig zäh, man hatte den Eindruck, dass es zu wenige Proben gegeben hatte. Der Regisseur bekannte im Pauseninterview selbst, nicht mehr genau zu wissen, welche Gedanken er sich bei manchen Szenen damals gemacht habe. Diese Ratlosigkeit übertrug wohl auf das Ensemble. Ein düsteres Bühnenbild (Michael Yeargan) ließ nie wirklich märchenhafte Stimmung aufkommen. Aus dem unerschöpflichen Reservoir an Ideen, das Werk und die Handlung auszuschmücken – woraus sich auch Bartlett Sher reichlich bediente -, wären zwei zu hinterfragen: Die Studenten in Luthers Keller waren durchwegs reifere Semester, Hoffmann dagegen ein Jungspund. Standen nicht genügend junge Choristen zur Verfügung oder hatte der Regisseur diesbezüglich eine andere, nicht klar erkennbare Intention? Die Gestalt des Niklausse wurde schon in vergangenen Produktionen musikalisch aufgewertet, er ist zur dritten Hauptrolle avanciert. Hier hatte man den Eindruck, dass er mit den vier bösen Herren konspirierte, um Hoffmann von den jeweils angebeteten Damen zu befreien.

Die musikalische Seite dieser Aufführung war etwas durchwachsen. Das Vorspiel in Luthers Keller ließ Böses ahnen, zähe Tempi, schlampige Choreinsätze und ein nervöser Titelheld waren kein gutes Vorzeichen für einen großen Abend. Olympia brachte aber dann die Wende zum Besseren, Erin Morley, in der jüngsten Wiener Rigoletto-Produktion als Gilda im Einsatz, meisterte die Rolle der Puppe mit viel Bravour, halsbrecherische Koloraturen gehören ja schon zur Selbstverständlichkeit. Antonia war bei Hibla Gerzmava in guten Händen, wenngleich sie nicht zur Weltspitze der Soprane zu zählen ist. Christine Rice legte die Giulietta recht seriös an, stimmlich erfordert diese Rolle nicht allzu hohe Qualitäten, eine Verführerin nahm man ihr allerdings nicht ab. Thomas Hampson sang die Bösewichte mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, sehr subtil, wenig Härte und Kanten, aber sehr effizient. Vittorio Grigole in der Titelrolle war nach dem oben erwähnten zaghaften Beginn ein Hoffmann, dem man den Draufgänger jederzeit abnehmen konnte – seine permanente Erfolglosigkeit aber nicht. Eine frische, lebhafte und höhensichere Stimme füllte die traurige Figur des Dichters mit viel Leben. Erfreulich, dass das Tenorfach nicht mehr ausschließlich von Sängern mit spanischer Muttersprache besetzt ist. Bleibt noch der Glanzpunkt des Abends, Kate Lindsey als Muse/Niklausse. Es war ein vollendeter Kunstgenuss, ihre kräftige, warme, wohltimbrierte Stimme zu hören, mitzufühlen, wie sie ihren Schützling mehrmals scheitern zu sehen, ehe sie ihn endlich seiner Bestimmung, der Dichtkunst, zuführen konnte.

Das Orchester spielte unter der bemühten Leitung von Yves Abel nicht umwerfend gut, vielleicht saß die verpatzte Spielserien der „Lustigen Wiwe“ noch zu sehr in den Köpfen der Musiker.      

 Johannes Marksteiner

 

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