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WIEN/ „Neue Oper“ im Theater Akzent. PROSERPINA von Wolfgang Rihm. Dritte Vorstellung

06.11.2021 | Oper in Österreich

Neue Oper Wien im Theater Akzent: „Proserpina“ von Wolfgang Rihm (Vorstellung: 5. 11. 2021)

Furiose One-Woman-Show: "Proserpina" der Neuen Oper Wien - Musiktheater -  derStandard.at › Kultur
Die texanische Sopranistin Rebecca Nelsen bot in der Titelrolle eine exzellente Leistung (Foto: Karolina Horner / Kalinka-Fotos)

Im Wiener Theater Akzent fand am 5. November 2021 die dritte Vorstellung der österreichischen Erstaufführung der Oper „Proserpina“ von Wolfgang Rihm statt. Eine weitere sehenswerte Produktion der Neuen Oper Wien. Die Uraufführung dieses Werks, das nach dem gleichnamigen Monodram von Johann Wolfgang Goethe entstand, fand im Jahr 2009 bei den Schwetzinger Festspielen statt.

Der deutsche Komponist Wolfgang Rihm, geboren 1952 in Karlsruhe, verwendete als Libretto für seine Oper „Proserpina“  den Text von Goethe, wodurch sein Werk eine poesievolle Sprache hatte.  Das Schicksal der Proserpina – in der griechischen Mythologie Persephone – hat viele Künstler wie auch Dichter fasziniert und auch angeregt. Die Verzweiflung einer Frau, die entführt wurde und dazu verdammt war, bloß einmal im Jahr aus der Unterwelt ans Licht aufsteigen zu dürfen, hatte Goethe zu einem Monolog inspiriert.

Die Proserpina in Rihms Oper ist eine Dauergefangene, die keine Möglichkeit hat, aus ihrer Lage auszubrechen. Sie ist ihrer Würde beraubt und spürt, dass sie nie ein Teil der Unterwelt sein könne. Trotz verzweifelter Versuche sieht sie keine Perspektive für die Zukunft. Rihms Partitur gibt die Seelenqualen der Proserpina klanglich wieder und beschreibt auf eine beeindruckende Weise ihr Wechselbad der Gefühle, die teils kindlich-naiv, aber auch vor Wut oftmals tobend sind.

Die Inszenierung von Anna Bernreitner bietet dem Publikum die Handlung der Oper als Film dar, was anfangs eher unglücklich schien. Der Vorteil dieser Idee zeigte sich jedoch, als die Darstellerin und Sängerin der Proserpina immer wieder in Großaufnahme auf der Leinwand gezeigt wurde, wodurch ihre Gefühle sowie ihre Gestik und Mimik für das Publikum hautnah mitzuerleben war (Video: Manfred Rainer, Lichtdesign: Norbert Chmel). Für die Gestaltung der Bühne, die im Untergeschoß angesiedelt war und einen tristen Kellerraum darstellte, zeichneten Hanna Rosa Öllinger und Manfred Rainer verantwortlich, für das farbenfrohe Kostüm von Proserpina Devi Saha.   

Proserpina - Neue Oper Wien
Rebecca Nelsen als Proserpina (Foto: Karolina Horner / Kalinka-Fotos)

Die Titelrolle verkörperte die texanische Sopranistin Rebecca Nelsen. Sie überzeugte nicht nur stimmlich, sondern auch durch ihre intensive Ausstrahlungskraft. Immer wieder faszinierte sie durch ihre oft wilde Gestik und durch ihre aussagekräftige Mimik. Ihre Gefühle im Kampf um eine menschenwürdige Existenz drückten sich immer wieder in ihrem hübschen Antlitz aus. Eine beeindruckende Leistung!

Gegen Ende der 90minütigen Vorstellung waren auch die Damen des Wiener Kammerchors zu hören (Chorleitung: Bernhard Jaretz). Dem routinierten amadeus ensemble-wien gelang es unter der Leitung von Walter Kobéra, der als Intendant der Neuen Oper Wien eine informative Einführung gab und die Oper bereits als Gast in Rom dirigiert hatte, die Partitur des Komponisten sehr nuancenreich wiederzugeben. Dadurch wurden auch die Seelenqualen der Proserpina klanglich hörbar.

Das Publikum belohnte am Schluss alle Mitwirkenden mit lang anhaltendem Beifall, wobei die Sopranistin Rebecca Nelsen für ihre exzellente Leistung mit großem Jubel gefeiert wurde.

Udo Pacolt

 

 

 

 

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