Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Musikverein: Giuseppe Verdi MESSA DA REQUIEM – Überirdische Klänge und Stimmen

26.05.2026 | Konzert/Liederabende

Giuseppe Verdi

MESSA DA REQUIEM – Überirdische Klänge und Stimmen

Wiener Musikverein

25.05.2026

ver2
Foto: Lukas Link

Die Sächsische Staatskapelle Dresden ist mit ihrem Chefdirigenten, Daniele Gatti, aktuell mit Giuseppe Verdis Messa da Requiem auf Tournee durch eine Reihe von europäischen Musikmetropolen und machte nach Barcelona und Madrid nun auch Halt in Wien. Verdis Requiem hat sich rasch zu einem der ganz großen Werke im vokal-konzertanten Repertoire entwickelt, welches neben Mozarts Requiem sicher zu den meistaufgeführten Werken seines Genres gehört. Im Großen Saal des Wiener Musikvereins kam es nun zu einer hochklassigen Wiedergabe mit ebensolchen Solisten und dem ebenfalls sehr gut disponierten Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.

Gatti, ohnehin ein Spezialist für Verdi, dirigiert auch das Requiem mit großer Kennerschaft, setzt in seinem Dirigat sicher deutlich auf viel Dramatik und auf üppigen Klang, überzeugt aber auch mit zarten und schwebenden Momenten, wie gleich zu Beginn bei Requiem aeternam, um dann gleich darauf bei Dies Irae wahrlich den Tag des Zorns hörbar zu machen. Da bebt dann regelrecht der Boden unter den Füßen, eindrucksvoll die Paukenschläge, das großartige Orchester spielt wie entfesselt. Anschließend haben dann die hervorragenden Gesangssolisten ihre großen Momente.

ver1
Foto: Lukas Link

So begeistert Benjamin Bernheim mit traumhaft schönem Tenor-Timbre und mit technischer Könnerschaft in jedem Register. Die Spitzentöne erklingen souverän und verfügen über eine unglaubliche, fast überirdische Leuchtkraft. Ein Leuchten, welches so gut zu dem sakralen Werk passt. Mit dem Ingemisco, einem der großen Höhepunkte der Aufführung, bittet er, mit beachtlicher Stimmdramatik, geradezu verzweifelt um Gnade und Erlösung.

Eleonora Buratto verfügt über einen klaren und substanzreichen Sopran, wie geschaffen für Verdi, der es ihr ermöglicht besonders zum Finale hin für einen weiteren Höhepunkt zu sorgen, als sie mit strahlender Stimme ein himmlisches Libera Me zu gestalten weiß.

Der elegante und geschmeidige Mezzosopran von Elina Garanca besticht in jeder Lage und bereits beim Liber scriptus, und mit Buratto harmoniert sie himmlisch im Recordare.

Auch wenn Riccardo Zanellato nicht nur im Confutatis eine gute Leistung bringt, wirkt seine Stimme im Vergleich zu jenen seiner Kollegen doch etwas schaumgebremst. Mit der Ausdrucksstärke und der Durchsetzungskraft von Buratto, Garanca und Bernheim kann seine eigentlich wohlklingende Bassstimme an diesem Abend nicht immer so recht mithalten. Und dennoch harmoniert dieses Quartett hervorragend, denn die Stimmen passen gut zusammen, was in den Ensembles deutlich wird.

Ein großer Abend, in jeder Hinsicht.

Dirigent, Orchester und Solisten ziehen nun für Aufführungen nach Paris/Philharmonie (30.05.), Hamburg/Elbphilharmonie (03.06.) und Prag/Smetana Saal (04.06.) weiter.

 

Lukas Link

 

Diese Seite drucken