MUSIKVEREIN/ BRAHMSSAAL : AUTHENTIC MONGOLIA am 15.3. (2026 Gastspiel)
Unter dem Titel „Authentic Mongolia“ fand am Sonntag im Brahmssaal ein hochinteressantes Gastspiel statt.

Ein Morin Khuur-Spieler Foto: Authentic Mongolia
Im ersten Teil konnte man wirklich ungewöhnliche, authentische, traditionelle mongolische Musik hören: Khöömei, den schamanischen Obertongesang. Stücke auf der Morin Khuur der zweiseitig mongolischen Pferdekopfgeige, auf der Tsuur,der beidseitigen offenen Längsflöte sowie auf der Khulsan Khuur, der mongolischen Maultrommel. Und man sah sogar einen äußerst reduzierten, aber intensiven Biyelgee-Tanz. Das alles vorgetragen von absoluten Meistern ihres Fachs, konzentriertest, eingehüllt in edle Landestrachten. Keine Reden,keine Ansprachen, keine Conférencen, keine Erklärungen, keine Entschuldigungen für die für uns exotischen Klänge. Nur Musik, pur, unverfälscht, unverkitscht, unvermittelt. Aber Musik, die auf geheimnisvollste Weise mitten ins Herz, mitten in den Solar Plexus, mitten in die Eingeweide trifft. Ein einmaliges Erlebnis, elementar, archaisch, unmittelbar, das noch lange im Geist aber auch im Körper nachhallt. Einfach großartig.
Leider gab es noch einen zweiten Teil. Darin sahen sich die Veranstalter bemüßigt, uns beweisen zu wollen, dass das mongolische Volk nicht mehr nur aus Nomaden und Hirten besteht und fühlten sich bemüßigt, uns die ganze Bandbreite des mongolischen Musikschaffens vorzuführen. Gut und schön und auch verständlich. Aber man hätte ja wissen können, dass man hier, in der selbsternannten Welthauptstadt der Musik nicht unbedingt darauf gewartet hat, einen Walzer von Chopin, eine Arie von Rodolfo und eine von Madama Butterfly zuhören, nur halt von (wenn auch ausgezeichneten) mongolischen Künstlern. Auch khatschaturianeske Rhapsodien und nicht enden wollende Konzerte für Yatga (einer Art mongolischer Wölbbrettzither) brachten den Brahmssaal nicht wirklich zum Kochen.
Aber breiten wir den Mantel des Schweigens In der Steppe über diese etwas unglückliche Programmauswahl und erinnern wir uns lieber an die wunderbar-poetischen Momente, in denen zum Beispiel ein Maultrommelspieler nur mithilfe seines doch so simplen Instruments plötzlich den Klang einer galoppierenden Pferdeherde in den Musikverein zauberte.
Magisch ! Auf in die Mongolei…
Robert Quitta

