WIEN/ MusikTheater an der Wien: STFFELIO von Giuseppe Verdi am 13.05.2026

Luciano Ganci, Joyce El Koury. Foto: Werner Kmetitsch
Zum Saisonfinale im Theater an der Wien wurde Verdis selten gespielte Oper „Stiffelio“ aufgeboten. Regisseur Vasily Barkhatov ließ die Handlung relativ unbeschädigt dort, wo sie nach mehrmaliger Korrektur – die Zensurbehörden kannten zu Verdis Zeit kein Pardon – letztendlich gelandet ist, in einer protestantischen Gemeinde. Auch er konnte der Versuchung, die Ouvertüre zu bebildern, nicht widerstehen. Eine sinnlose Draufgabe, wie so oft. Die menschlichen Verwicklungen und Verwirrungen nahmen ihren unbarmherzigen Lauf, der betrogene Prediger, seine untreue Frau, der Nebenbuhler, der Schwiegervater, ein unvermeidlicher Mord. Das alles spielt sich auf einer ständig in Bewegung befindlichen Drehbühne ab (Christian Schmidt), langweilige Kostüme (Stefanie Seitz) runden das Bild ab.
Schlimmste Befürchtungen, mit einem Ohrenschaden nachhause gehen zu müssen, waren schon bei der Ouvertüre präsent. Das RSO Orchester, eigentlich ein verlässlicher Begleiter vieler Opern, ließ sich durch den sehr eigenwilligen Dirigenten Jeremie Rhorer zu wahren Klangexplosionen verleiten. Da gab es kein Halten, Fortissimo war Trumpf. Die Protagonisten hielten aber wacker mit, Luciano Ganci war in der Titelrolle eine Klasse für sich, sein kraftvoller, strahlender Tenor blühte auf, keine Unsicherheiten in den Höhen waren zu vernehmen, aber gelegentlich wäre eine Differenzierung der Lautstärke angebracht gewesen. Ihm zur Seite stellte Joyce El-Koury als Lina ihr Licht nicht in den Schatten. Ihr Sopran ließ einige Schärfen und Intonationsprobleme erkennen. Unbestreitbarer Star des Abends war Franco Vassallo als Stankar. Dieser Bariton mit Kraft und toller Höhe hat derzeit keine Konkurrenz im italienischen Fach. Auch Luigi Morassi als der böse Verführer Raffaele konnte durchaus reüssieren.
Das Publikum applaudierte durchaus selektiv, der Dirigent wurde sogar mit Buhs bedacht. In wenigen Tagen wird sich mein Gehör erholt haben, jedenfalls bis zur Aufführung der „Perlenfischer“ – hoffe ich.
Johannes Marksteiner

