WIEN/MusikTheater an der Wien: 13.5.26 „Stiffelio“, MusikTheater an der Wien, Premiere, „Lautstarke Ehekrise“

Copyright: Werner Kmetitsch
Das MusikTheater an der Wien beschließt die Saison mit Giuseppe Verdis „Stiffelio“. Leider wurde einem der Premierenabend durch ein viel zu laut aufspielendes Orchester vergällt – und was die Inszenierung betrifft: Stiffelio als Jazz-Trompeter in die Handlung einzuführen und ihn am Schluss von Mafiosi ermorden zu lassen war wieder einmal der typische „Regie-Nonsense“.
„Stiffelio“ wurde 1850, kein halbes Jahr vor dem „Rigoletto“ uraufgeführt – und das erklärt rezeptionsgeschichtlich schon viel, wenn auch nicht alles. „Stiffelio“, die Geschichte von der Ehekrise eines protestantischen Pfarrers im Deutschland des 19. Jahrhunderts, war für 1850 vom Thema zwar modern, handelte Verdi aber schwere Probleme mit den Zensurbehörden ein. Verdi hat die Oper schließlich zurückgezogen und 1857 erklomm der Pfarrer in einer umgearbeiteten Fassung als Kreuzritter „Aroldo“ die Opernbühne, ohne nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Vieles an originalem Notenmaterial zum „Stiffelio“ ging im Laufe der nächsten Jahrzehnte verloren oder musste erst wieder aufgespürt werde. Ab den 1990er-Jahren erlebte das Werk dann eine „Renaissance“.
Im Zuge dieser „Wiederentdeckung“ hat es die Oper mit fast 150-jähriger Verspätung nach Wien geschafft: 1996 hat die Wiener Staatsoper das Werk aufgeführt – in illustrer Besetzung mit José Carreras, Mara Zampieri und Renato Bruson. Bis 2009 wurden über 30 Aufführungen gespielt. In 22 davon hat laut dem Onlinearchive der Staatsoper Renato Bruson den Stankar gesungen, und damit diese Partie nachhaltig geprägt. Mit dem „Aroldo“ hat das Wiener Publikum übrigens bereits 1858 (!) Bekanntschaft machen dürfen: Es war kein Erfolg.
http://www.operinwien.at/werkverz/verdi/astif2.htm
Dominik Troger (www.operinwien.at)

