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WIEN/ MusikTheater an der Wien:   „L‘Opera Seria“ Von Florian Leopold Gassmann

05.03.2026 | Oper in Österreich

WIEN/ 04.03.2026   Th.a.d.W   „L‘Opera Seria“

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Foto: Werner Kmetitsch

Ein sehr vergnüglicher Abend brachte einige Erkenntnisse:

Es gibt in der langen Operngeschichte immer noch Werke, die es wert sind, entdeckt zu werden. Von Florian Leopold Gassmanns Parodie auf die damals verbreitete Gattung „Opera Seria“ haben wohl nur wenige gehört.

Es ist erfrischend, wie das Genre „Oper“ auf die Schaufel genommen wird, wie deutlich gemacht wird, dass sich alle damit Befassten allzu ernst nehmen.

Es gibt Regisseure, denen die Intentionen des Komponisten und des Librettisten (Ranieri de‘ Calzabigi) wichtig genug sind, sie ernsthaft umzusetzen.

Es ist erfreulich, dass ein hochklassiges Ensemble imstande ist, das dreistündige Werk fast ohne Längen (der Auftritt der Primadonnen-Mütter wäre verzichtbar gewesen) auf die Bühne zu stellen.

Der Inhalt in Kürzestfassung: Der Impresario, der Komponist und der Librettist befassen sich mit der bevorstehenden Aufführung einer Oper. Das Ensemble probt das schwierige Werk, die Aufführung scheitert komplett. Alle Beteiligten versuchen, sich in den Vordergrund zu spielen, ständiges Gezänk ist die Basis für das Misslingen der Produktion. All das wird aber in witzigen Dialogen, Rezitativen und Arien gekonnt wiedergegeben.

Regisseur Laurent Pelly gelang es, diese Oper wunderbar überzeugend zu inszenieren, sein Sinn für Komik war ein entscheidender Faktor zum Erfolg. Das sparsame (aber ausreichende) Bühnenbild stammte von Massimo Troncanetti.

Das Orchester (Les Talens Lyriques) spielte unter der Leitung von Christophe Rousset sehr überzeugend und „wohltemperiert“. Das Ballett veredelte die eigentliche Opernaufführung mit witzigen Einlagen. Das Ensemble auf der Bühne hatte keinen schwachen Punkt, hervorzuheben wäre der Tenor Josh Lovell als Ritornello, der seine Arien mit makelloser Höhe und großer Stimmkultur meisterte. Auch Pietro Spagnoli als Impresario Fallito war stimmlich und darstellerisch ein wahrhaft leidender Opernchef. Die drei Damen Julie Fuchs (Stonatrilla), Andrea Carroll (Smorphiosa) und Serena Gamberoni (Porporina) glänzten durch sichere Koloraturen in Verbindung mit gekonnter Komik – ein Kunststück in jedem Fall. Das Publikum war zurecht hellauf begeistert, was ja leider nicht allzu oft vorkommen soll…

Johannes Marksteiner

 

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