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WIEN/ MusikTheater an der Wien: LA MORTE D’ORFEO von Stefano Landi. konzertant

30.01.2026 | Oper in Österreich

Wien/ MusikTheater an der Wien: 28.1.26 „La morte d’Orfeo“, konzertant

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Einen Ausflug in die Frühzeit der Oper ermöglichte das Theater an der Wien mit einer konzertanten Aufführung von Stefano Landis „La morte d’Orfeo“.

Stefano Landi war ein Zeitgenosse von Claudio Monteverdi, sein musikalischer Beitrag zur Orpheussage stammt aus dem Jahr 1619. Die Handlung setzt nach der vergeblichen Unterweltreise Orfeos ein: Der Sänger feiert seinen Geburtstag. Der von ihm verschmähte Bacco rächt sich. Orfeo wird von Mänaden zerrissen und gelangt als Schatten noch einmal in die Unterwelt, aber Euridice erkennt ihn nicht mehr. Orfeo wird als Halbgott in den Olymp aufgenommen.

„La morte d’Orfeo“ erreicht über die ganze Werklänge gemessen zwar nicht die Dichte von Monteverdis „Orfeo“, besitzt aber Stellen von starker bühnendramatischer „Plastizität“: Carontes „Trinklied“ im fünften Akt etwa, ein „Dulcamara“ des Hades, preist buffonesk  „il sereno liquor di Lete“ an. Die Klage Filenos im vierten Akt, wenn dieser Orfeos Mutter Calliope vom Tod ihres Sohnes berichtet, lotet die Grenzen seelischen Schmerzes aus. Der zornige Bacco im dritten Akt wirkt gar nicht göttlich in seinem Beleidigtsein, aber seine Rache ist fürchterlich. Sogar Euridice darf Orfeo noch einmal im Hades begegnen, der als Schatten zwangsläufig wieder die Unterwelt aufgesucht hat. Es benötigt allerdings eine hohe „deklamatorische Prägnanz“, um die vielen Figuren in den kurzen Szenen, die ihnen reserviert sind, bis in die Feinheiten ihres Charakters auszuleuchten.

Mit Cyril Auvity war ein ausgewiesener Spezialist für alte Musik als Orfeo aufgeboten. Sein hoher, feinfühliger Tenor verlieh dem antiken Sänger aristokratischen Glanz, war fast schon zu nobel in den Gefühlsausbrüchen:

http://www.operinwien.at/werkverz/landi/aorfeom.htm

Dominik Troger/ www.operinwien.at

 

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