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WIEN/ MusikTheater an der Wien: JOHANN STRAUSS 2025: DIE AKADEMIE FÜR ALTE MUSIK UNTER ERNST THEIS MIT DIANA DAMRAU

24.11.2025 | Konzert/Liederabende

THEATER AN DER WIEN/JOHANN STRAUSS 2025: DIE AKADEMIE FÜR ALTE MUSIK UNTER ERNST THEIS MIT DIANA DAMRAU

 am 23.11. 2025 (einzige Vorstellung)

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Schlussapplaus. Foto: Erich Casanova Franzoi

 Gelegentlich bekommt man im Zuge des mit 22 Millionen Euro dotierten Johann-Strauss-2025-Jahres sogar Musik des Genurtstagskinds selbst zu hören. Am Sonntag war es wieder einmal (ansatzweise) soweit.

Im Theater an der Wien präsentierte Strauss-Fachmann Ernst Theis, der sich in seiner Zeit als Chefdirigent an der Staatsoperette Dresden durch die szenische Wieder-Aufführung der sonst nie gespielten Operetten Das Spitzentuch der Königin, Prinz Methusalem und Karneval in Rom schon sämtliche Goldene Ehrenzeichen der Republik, Goldene Rathausmänner und Goldene Schani-Anstecknadeln verdient hätte,

sein Programm mit Arien aus den ersten vier Strauss-Operetten, die Jean (wie er sich selbst nannte) der Theater-an-der-Wien-Direktorin und Diva Marie Geistinger auf den schönen Leib geschrieben hatte.

Gespielt wurde das historisch informierte Programm von der Akademie für Alte Musik auf Originalinstrumenten, gesungen wurde es von der beliebten Diva Diana Damrau.

Schon das erste Musikstück war eine Erkenntnis: Johann Straußens Walzer „Sinngedichte“. Es lannert und johanstraussvatert hier zwar noch ein bisschen, aber es schanit auch schon stark: das Junggenie ist in seinen Charakteristika bereits deutlichst erkennbar.

Ein großer Genuss dann die Arien der Fantasca aus „Indigo und die 40 Räuber“, die Arien aus „Carneval in Rom“ und „Cagliostro in Wien“. Der Damrau ist nicht hoch genug anzurechnen, dass sie dies alles für eine einzige Vorstellung ! (warum eigentlich ?) nicht nur auswendig gelernt hat, sondern auch noch mit großer Verve und Lust an der Freud‘ mit vollem mimischen und gestischen und körperlichem Einsatz sozusagen halbszenisch präsentiert. Manchmal ist es zu viel, zu soubrettenhaft outriert…aber insgesamt: Chapeau, Madame Geistinger !

Leider blieb es nicht bei der wundervollen Darbietung dieses uns allen unbekannten musikalischen Schatzes, leider musste, wie beim Strauss-Jahr offenbar die Regel, wieder einmal didaktisch-populistisch „vermittelt“ werden, als ob die Wiener die göttliche Schani-Musik nicht schon alleine vollständig glücklich machen würde.

Also gab sich Josefstadt-Schauspieler Michael Dangl als Theater an der Wien Co-Direktor Maximilian Steiner aus („Ich bin Maximilian Steiner !) aus, präsentierte gut recherchierte, aber überflüssige Hintergrund-Informationen (er hat ja schließlich auch das Buch „Der Walzermacher“ geschrieben) zu Geistinger & Co, und konnte es im zweiten Teil eitlerweise auch nicht lassen, sich als betrunkener Girardi-Frosch zu gebärden und als solcher sogar die Akademie der Alten Musik zum neujahrskonzertmässigen Donauwalzer mit einem Gergiev-Zahnstocher zu dirigieren…Zawos ? Hilfe !

Beim nächsten Mal bitte ein reiner Geistinger-Abend bzw. noch besser: eine zumindest konzertante Aufführung dieser wunderbaren frühen Operetten als Ganzes.

Danke !

 

Robert Quitta

 

 

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