WIEN/ Theater an der Wien / „Feuer, Lebenslust …“
Diana Damrau in Johann Strauss‘ ersten Divenrollen
Zwischentexte von Michael Dangl
Aufführung 23.11.2025 veranstaltet von „Johann Strauss 2025 Wien“
Ein umjubelter Strauss-Abend im Theater an der Wien!

Ernst Theis, Dirigent – Diana Damrau, Sopranist – Michael Dangl, Schauspieler Akademie für Alte Musik Berlin AKAMUS © Dietrich-Schulz
Hereinspaziert ins Theater an der Wien der Jahre 1869 bis 1875
Am 1. August 1869 übernahm die 36-jährige Marie Geistinger gemeinsam mit Maximilian Steiner die Direktion des Theaters an der Wien. Es sollten „goldene Jahre“ werden. Ermuntert vom Direktorenduo komponierte Johann Strauss Sohn seine ersten Operetten. Alle wurden im Theater an der Wien uraufgeführt. Marie Geistinger war seine wichtigste Interpretin. Sie war Fantasca in „Indigo und die 40 Räuber“ (1871), Marie in „Karneval in Rom“ (1873) und Lorenza in „Cagliostro in Wien“. Bei der Uraufführung der „Fledermaus“ (1874) war sie die erste Rosalinde und begeisterte nicht nur mit dem berühmten Csárdás. Sie garantierte ein volles Haus und internationales Interesse. Die Direktorin hatte allerdings auch Konkurrentinnen, für die Strauss – von Geistinger mit großem Missfallen wahrgenommen und teils hinter ihrem Rücken – ebenfalls attraktive Nummern schrieb: Caroline Charles-Hirsch und Caroline Finaly. Trotz großer künstlerischer Erfolge legte Marie Geistinger ihre Funktion als Direktorin am 15. Mai 1875 aufgrund von finanziellen Verlusten zurück. Als Sängerin wurde sie international als „Königin der Operette“ gefeiert. Von 1881 bis 1884 absolvierte sie sieben Tourneen in Amerika.
Diana Damrau schlüpft an diesem außergewöhnlichen Abend in die Partien der Marie Geistinger und auch in die Partien ihrer Konkurrentinnen. Sie vereint alle historischen Diven in einer heutigen Gestalt und steckt damit voll „Feuer und Lebenslust“ den Diven-Horizont der klassischen Wiener Operette ab.
Diana Damrau, Michael Dangl, Ernst Theis und die Akademie für Alte Musik Berlin werden zu Recht vom Publikum gefeiert und bedanken sich mit einer Zugabe!
65 Produktionen sowie 3 Ausstellungen an 69 Locations bietet das Johann-Strauss-Jahr 2025. Das Konzert „Feuer, Lebenslust …“ ist ein singuläres Ereignis im heurigen Strauss-Jahr. Schade – es hätte Wiederholungen verdient! Das ursprünglich für den 7. Mai geplante Konzert im Musikverein Wien musste auf den 23. November 2025 verschoben werden. Eigentlich ein Glücksfall. Diana Damrau ist an diesem Abend die Inkarnation von Marie Geistinger auf den Brettern der Bühne, auf der die große Diva sechs Jahre lang Prinzipalin und Gesangsstar war. Es lebe der Genius loci!
Das Programm
Sinngedichte
Walzer, op. 1
„Willkommen Schwesternschar, so nenn’ ich Euch“
Recitativ & Couplet der Fantasca aus Indigo und die 40 Räuber
„Wo die Brandung schäumt und netzt das Felsgestein“
Ballade der Fantasca aus Indigo und die 40 Räuber
Ouvertüre aus Indigo und die 40 Räuber
„In des Harems Heiligtume“
Lied der Fantasca aus Indigo und die 40 Räuber
Serail-Tänze
Walzer, op. 5
„Versteh ich noch nicht die Farben zu mischen“
Tarantella der Marie aus Der Karneval in Rom
„Gefangen trauern in düst’ren Mauern“
Einlagenarie der Gräfin aus Der Karneval in Rom
Auf der Jagd
Polka schnell, op. 373
„Was er alles durchgemacht“
Strophenlied der Lorenza aus Cagliostro in Wien
„Beim Dudeln war’n Weana von jeher gern froh“
Dudler der Lorenza aus Cagliostro in Wien
Z*-Quadrille
op. 24
„Nomadenkind*, wie glänzt dein Haar“
Lied der Lorenza aus Cagliostro in Wien
Entr‘acte & „Sag’ mir mein Herz“
Ariette der Emilie aus Cagliostro in Wien
Ouvertüre aus Cagliostro in Wien
Fledermaus-Polka
op. 362
„Klänge der Heimat“
Csárdás der Rosalinde aus Die Fledermaus
Musikalisch beeindruckten an diesem Abend neben der bestens disponierten Diana Damrau besonders der Dirigent Ernst Theis und das Orchester der Akademie für Alte Musik Berlin. Ernst Theis war es wichtig, dem Publikum eine Idee zu geben, wie die Musik von Johann Strauss im 19. Jahrhundert geklungen haben könnte unter anderem durch die Verwendung historischer Musikinstrumente. Mit dem AKAMUS konnte der Dirigent das eindrucksvoll beweisen. Das Publikum war vom Originalklang begeistert.
Last, but not least wird der Verfasser der Zwischentexte und Schauspieler Michael Dangl gewürdigt. Er schlüpft in verschiedene Rollen. Einmal ist er Maximilian Steiner, einmal Alexander Girardi, dann der FROSCH. Michael Dangl dudelt sogar gekonnt mit Diana Damrau. Michael Dangl hat sich intensiv mit der Person Johann Strauss beschäftigt und 2025 den Roman Walzermacher veröffentlicht.
Theater kann vieles sein, in der Operette meist eine Quelle der Lebensfreude, hoffentlich immer ein Ort, an dem die Akteure auf der Bühne vom Publikum verstanden werden. Leider hat das Theater an der Wien an diesem Abend die gesungenen und gesprochenen Texte nicht als Übertitel eingeblendet, weshalb es bei manchen durchaus gelungenen zeitaktuellen Bonmots nur wenige Lacher gab. Vielleicht wären in Zukunft – im Sinne der Barrierefreiheit – Übertitel ein gutes Angebot an das Publikum 50+?
Elisabeth Dietrich-Schulz

