Wien/ Musiktheater an der Wien: 17.10.2026 ThadW „Der fliegende Holländer“

Jordan Shanahan (Holländer. Foto: Matthias Baus
Philipp Stölzls Regiekonzept für Wagners „Spukoper“ mag an einigen Opernhäusern erfolgreich gewesen sein, man muss es aber dennoch nicht ganz toll finden. Die Bibliothek Dalands dient als Schauplatz des Geschehens, dazu steht eine Bühne auf der Bühne und Bildprojektionen ergänzen/verwirren die Szenerie. Bei vielen Produktionen neueren Datums rettet der musikalische Teil die Aufführung, hier ist dem nicht so. Die Wiener Symphoniker waren unter dem Dirigat von Robert Jindra recht grob unterwegs, die etwas schleppend gespielte Ouvertüre gelang vor allem den Bläsern nicht fehlerlos. In einem kleineren Haus müsste man auch allzu heftige Klagexplosionen vermeiden. Das war auch bei der Sängerin der Senta, Ambur Braid, zu bemängeln. Ihr kraftvoller Sopran neigte zu schrillen Ausbrüchen, die das Gehör des Rezensenten strapazierte. Die Titelrolle des gefürchteten Seemannes war bei Jordan Shanahan in guten Händen. Seine intensive Rollengestaltung litt nur unter der für Seeleute ungewohnten Umgebung, in die Bibliothek eines Großbürgers passte er nicht. Als Daland war Wilhelm Schwinghammer zu erleben, der die Rolle des unglückseligen Vaters mit Anstand bewältigte. Sehr positiv wirkte Cameron Becker in der undankbaren Rolle des unglücklich um seine Liebe zu Senta kämpfenden Erik. Mit viel Temperament und ansprechender Höhe war er ein Lichtblick im Geschehen. Der Arnold Schoenberg-Chor unter Erwin Ortner war an diesem Abend voll gefordert, blieb aber auch etwas unter dem sonst extrem hohen Niveau an Klasse und Exaktheit. Die richtige Oper im falschen Haus? Das Publikum akklamierte das Erlebte mit Enthusiasmus.
Johannes Marksteiner

