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WIEN/ Museumsquartier: HEIDI . Uraufführung des Familienmusicals

12.10.2018 | Operette/Musical

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Copyright: Agentur Werner

10.10.2018: „HEIDI“. – Uraufführung des Familienmusicals

Wer kennt nicht die beiden Romane von Johanna Spyri, die gleichnamige Fernseh-Zeichentrickserie oder die Kinoversionen (zuletzt mit Bruno Ganz als Alpöhi und der famosen Anuk Steffen in der Titelrolle verfilmt) über das „Heidi“, das von der Alm in den Schweizer Bergen in die Großstadt Frankfurt/Main und wieder zurück kommt. Michael Schanze hat sich diesen beliebten Stoff als Vorlage für sein Musical genommen und die Musik dafür komponiert; den Dialogext verfasste TV-Autor Hans Dieter Schreeb. Wolfgang Werner ist Produzent und Veranstalter, Regie und Bühnenbild stammten von Manfred Waba, die Kostüme entwarf Gerlinde Brendinger und die Choreografie schuf Michael Kropf. Die 6köpfige Band wird von Clemens Schaller geleitet.  

Wien ist ja ein guter Boden für Musicals – und so findet die Welturaufführung auch hier in der Musikstadt in der großen Halle E im Museumsquartier statt. Das Drumherum-Konzept ist gut zum Thema abgestimmt – man kann sich am Premierenabend vorher mit lebensgroßen Figuren von Heidi und dem Geißenpeter fotografieren lassen, in der Pause über das Heidi-Hotel in Kärnten informieren und wird beim Nachhause gehen mit einer Tafel Heidi-Schokolade verwöhnt.

Die Besetzung ist sehr vielversprechend, denn mit Maya Hakvoort als strenge Gouvernante Fräulein Rottenmeier, Uwe Kröger als grumeliger Alm-Öhi und Alfons Haider als Klaras besorgter Vater Herr Sesemann sowie als Bürgermeister und Johanna Spyri (!) sind versierte Bühnenkünstler im Einsatz. Als fröhlich-unbeschwertes Heidi ist Vanessa Zips besetzt, Stephan Luethy verkörpert den liebenswerten bodenständigen Geißenpeter und Rebecca Soumagné ist die bedauernswerte Klara im Rollstuhl, die in der frischen Bergluft das Gehen erlernt.

Dennoch ist es nicht einfach im 21. Jahrhundert die Geschichte um das Waisenkind Heidi spannend umzusetzen, da der Stoff wenig „Action“ hergibt – die Romane sind 1880 erschienen und damals war schon die Fahrt mit der Dampfeisenbahn eine aufregende Sache.  Im digitalen Zeitalter ist es zu wenig mit Projektionen die Szenenwechsel zu gestalten oder Johanna Spyri im Video als Erzählerin erscheinen zu lassen. Die fast echten Ziegen und die echte aufmarschierende Blasmusikkapelle sowie der Maultrommel und Knöpferlharmonika spielende Geißenpeter sind herzige Einfälle um das ländliche Kolorit zu skizzieren, die Band ist dagegen unsichtbar und erscheint erst zum Schlussapplaus. 

Fazit: Gefällige Kompositionen an schmeichelweichen Balladen und flotten Melodien, eine schwungvolle abwechslungsreiche Choreografie (von Schuhplattler über Besenballett bis Stepptanz) und gute Gesangsstimmen bieten den Rahmen für ein nettes Familienprogramm, das aber mit 3 Stunden (90 Minuten bis zur Pause) doch recht ausgiebig ausfällt. Ausbaufähig wäre das Stück vielleicht noch als Mitmachvariante, wie man das von der „Rocky Horror Picture Show“ oder dem Singspiel „Im weißen Rössl“ kennt, um mehr Schwung in das Werk zu bringen.

Dem Publikum – darunter auch viele Kinder – hat es wohl gefallen, denn es gab viel Beifall für das Ensemble und das Leading Team.  Ira Werbowsky

 

 

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