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WIEN/Museumsquartier Halle: PARSIFAL – Ertrunken in der Bilderflut. 3. Aufführung

19.06.2026 | Oper in Österreich

Wien
19.6.2026 „Parsifal“, Wiener Festwochen, „Ertrunken in der Bilderflut“
Am Schluss breitet die computeranimierte weiße Taube ihre Schwingen aus – und der neugekrönte Gralskönig entschwebt in die Bühnenhöhe der Halle E des Museumsquartiers. Wer sein Gemüt gerne an Devotionalien labt, hat sich dieser bildkräftigen Deskriptivität schwer entziehen können: zwischen Kitsch und Gott passt manchmal nicht einmal das dünnste „Blatt“.

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Foto: Nurith Wagner-Strauss

Aber ist es nicht tröstlich, wenn sich endlich wieder einmal diese Taube in ihrer ganzen Symbolkraft zeigen darf: der weiß gefiederte Heilige Geist der Parsifal wie einen neuen Christus mit göttlichem Wohlgefallen segnet? Die glaubensbegeisternde Naivität dieses Schlussbildes hat schließlich Richard Wagner selbst angewiesen: „Aus der Kuppel schwebt eine weiße Taube herab und verweilt über Parsifals Haupt.“ Als Zeuge dieses Wiener Festwochen „Parsifals“ schwankte man ob dieser werkgetreuen szenischen Offenbarung zwischen dem Gefühl unfreiwilliger Komik und dem Bekenntnis zu mutigem Glaubenswillen: Endlich wagt sich jemand wieder daran, die Taube aus dem „Heliggeistloch“ herabzulassen!

Aber das soll jetzt nicht ironisch klingen. Das Konzept, das Regisseurin Susanne Kennedy und der für Bühne und Video federführende Markus Selg entwickelt haben, zielt nämlich genau auf diese religiöse Komponente ab. Ich zitiere die letzten Satz aus dem schmalen (aber kostenlosen) Programmheft zur Aufführung: „Und wenn am Ende der Oper Wagners Musik alles hinter sich lässt, was sich mit Worten ausdrücken lässt, wenn das Gralsmotiv durch virtuelle Schleier und an KI-generierten Illusionen vorbei in einem vertikalen Strom aufsteigt, der in den Körpern aller Anwesenden nachhallt, wird klar, dass die wirklichen Kräfte des Theaters in seinen religiösen Wurzeln verborgen sind.“…

….Nach dem ersten Aufzug, als spärlicher Applaus einsetzte, gab es ein paar Zischer, und es gelang ihnen sogar, den Beifall weitgehend zu unterbinden. Die Aufführung dauerte (inklusive zweier Pausen) rund fünfeinviertel Stunden. Dann folgten noch sehr wohlwollende fünf Minuten Applaus. Die Halle war sehr gut besucht, nur vorne, in der teuren Kategorie, gab es eine kleine Agglomeration leerer Plätze (was bei Preisen bis zu 175 Euro pro Karte nicht überrascht). Abwanderungstendenz in den Pausen war vorhanden, aber nicht so stark wie befürchtet. Die Mehrheit des Publikums schien an diesem dritten Aufführungsabend (Premiere war am Montag) gewusst zu haben, worauf es sich einlässt.

http://www.operinwien.at/werkverz/wagner/aparsif24.htm

DominikTroger/www.operinwien

 

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