WIEN/ MUSEUMSQUARTIER/HALLE E: PRETTY WOMAN – DAS MUSICAL von Bryan Adams
am 2.4.(noch bis 12.4. 2026)

Foto: Dominik Flohr
Pretty Woman ist einer der perfektesten Filme aller Zeiten. So perfekt, dass ich beim Zappen immer ein wenig Angst habe, dass er wieder auf irgendeinem Kanal läuft und ich ihn dann zwangsläufig zum x-ten Mal bis zu Ende anschauen muss.
Als ich jetzt die Plakate zum Gastspiel von Pretty Woman im Museumsquartier sah, konnte ich also naturgemäß nur verwundert den Kopf schütteln: Wer kommt auf so eine Idee ? Wer braucht so was ? Warum muss man aus allem ein Musical machen, noch dazu aus so einem, wie schon eingangs erwähnt, in sich vollkommenen und keine Wünsche offen lassenden Film-Meisterwerk?
Aus mir nicht ganz erklärlichen Gründen habe ich dann doch beschlossen, dem Limelight Entertainment-Gastspiel einen Besuch abzustatten. Und siehe da, ab und zu muss man seine Vorurteile auch revidieren können.
Pretty Woman ist eine ausgezeichnete, für eine Tournee-Produktion sogar sensationell gute Inszenierung, deren Besuch man nur uneingeschränkt empfehlen kann.
Die Basis für den Erfolg bildet bereits die Musik von Bryan Adams, die sich eindeutig von der mittlerweile einschlägig bekannten Musical-Dutzendware abhebt. Man hört ihr in jedem Moment an, dass sie noch von einem menschlichen Musiker komponiert wurde und nicht von einem Computerprogramm, das Restln von Sylvester Levays ungebrauchtem Material verwendet.
Regisseurin Carline Brouwer hat ein großartiges Team um sich versammelt: Carla Janssen Höfelt hat ihr ein raffiniertes Bühnenbild gebaut, in dem die verschiedenen Schauplätze des Stücks nahezu nahtlos dargestellt werden können, Eline Vroon hat dazu eine fulminante Choreographie geschaffen, mit der sich das energiegeladene Ensemble in den farbenfrohen und ultracoolen Kostümen von Cocky van Huijkelom bis zur Erschöpfung austoben kann.
Die Sänger/innen sind allesamt bestens besetzt, wobei man sich fairerweise von Mathias Edenborn und Sofie de Schryver nicht erwarten darf, dass sie den Charme und die Erotik von Richard Gere und Julia Roberts ausstrahlen. Sie machen ihre Sache aber wirklich gut, wobei man jedoch sagen muss, dass Power-Bombe Sophie Reinicke als Kit de Luca letztlich dem restlichen Cast den Rang abläuft…
Netter Schlusseinfall: nachdem sich „Prinz und Aschenputtel“ gefunden haben, stimmt das Ensemble Roy Orbinsons Hit „Pretty Woman“, der dem Film ja seinen Titel gegeben hat, an und das Publikum stimmt freudigst in einer Art Singalong mit ein.
Ein Happy End für alle!
Robert Quitta

