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WIEN/ Museumsquartier: DORIS UHLICH: HABITAT – – ein Ritual für splitternackte Menschen

26.10.2019 | Ballett/Tanz

Wiener Museumsquartier, 25.10.2019:

„Doris Uhlich: Habitat / Halle E“ – ein Ritual für splitternackte Menschen


Copyright: Eva Würdinger

120 sollen es sein. 120 splitternackte Menschen. Alte und jüngere, Körperbehinderte, sie alle keine Schönheiten mit Idealkörpern. Das Tanzquartier Wien ist in die große Halle des Wiener Museumsquartier eingezogen, gewährt Doris Uhlich an drei Abenden ihre bislang größte Choreografie zu präsentieren. Nun, „Habitat / Halle E“ ist kein künstlerisch ausgefeiltes Meisterstück, sondern wirkt wie ein Manifest: Zeige dich so nackt wie du bist – und man wir dich respektieren.

Habitat: Wohnstätte von Urmenschen – und heute eine Bezeichnung für Lebensraum, Lebensbereich. Hier wird die große Halle E eine Spielstätte für drei Stunden für die von Uhlich entblößten Damen und Herren. Diese formieren sich zu größeren, kleineren Gruppierungen, stets statuarisch & schweigend, laufen gestikulierend zwischen den zuerst herumstehenden, denn wandelnden Betrachtern herum, bemühen sich um skurrile Bewegungsabläufe, kauern sich schüttelnd am Boden, finden kurz zu Partnerschaften, bilden einen ausgelassenen Bacchantenzug. Immer Pausen dazwischen, so richtig lange Schweigeminuten. Und dann sendet wieder ein DJ (auch er: nackt) von seinem Mischpult dem still und ergeben beobachtenden Publikum – gelegentlich zuckt jemand ganz, ganz leicht mit – gängigen Technosound in die Ohren.  


Copyright: Katarina Soskic.

Doris Uhlich, Jahrgang 1977, ein Kind vom Attersee und engagiert um ihre Künstlerschaft fightend, hat dieses Habitat–Ritual mit den ihr gegebenen Möglichkeiten akkurat arrangiert. Zur Werbung steht darüber: „…. Habitat sprengt subversiv gängige Vorstellungen von Körper, Tanz und Nacktheit. Habitat ist eine Utopie. Eine schamlose, aber auch schambefreite Hymne auf einen nackten Körper jenseits von kulturellen Einschreibungen und gängigen Schönheitsidealen.“  Bitte, so ist es gemeint. Und alles, alles ohne geringsten pornographischen Anstrich. Somit: 120 Personen nackt und schweigend in der Masse – ohne Traumkörper, doch voll respektiert.

Meinhard Rüdenauer

 

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