Wien/ Metropol: Nestroys „Lumpazivagabundus“ – ganz schön frech
(1.10.2026)

Der Johann Nepomuk Nestroy, Jahrgang 1801, ist mehr und mehr zum seltenen Gast auf den Wiener Bühnen geworden. Dort wird heute die deutsche Manier gepflegt. Zum Glück taucht gelegentlich eines seiner so ziemlich genialen Stücke irgendwo doch noch auf. Im Oktober wird jetzt ins Metropol, draußen in Hernals, zu Nestroys „Der böse Geist Lumpazivagabundus“ gebeten. So ganz als uriges Volksstück aufgemascherlt. Doch vielleicht nicht so völlig stubenrein? Wie es sich fürs Metropol gehört: Gespielt und gesungen wird nach Herzenslust. So ganz im Stil des Hauses. Und zur Abwechslung wurde dem Nestroy als Partner das nun wohl bereits fast vergessenen „Weaner Madeln“- Musikgenie Carl Michael Ziehrer, 1843 – 1922, verpasst. Aber auch nur aus zweiter Hand: Musikmann Florian Schäfer führt die sich kräftig aufplusternde Singgemeinde mit poppigen Arrangements einfühlsam durch diese übertrieben ausgelassene Biedermeiershow.
Metropol-Chef Peter Hofbauer hat sich seine Fassung dieser legendären Zauberposse aus dem Jahr 1833 für das NÖ Sommertheater im Weitraer Schloß ausgedacht. Nun nach Wien geholt: Seine so totale Umarbeitung präsentiert sich stimmig dem Wiener Volk: Angenehm locker – angenehm bunt – angenehm anspruchslos. Hier dürfen sich in der Regie von Peter Kratochvil alle voll, voll, voll ausleben. Lumpazi = ist ein Strizzi = frech und quicklebendig = Andy Lee Lang. Und dieses vormals in Wien so beliebte liederliche Kleeblatt … sie hau’n sich lustbetont in ihre Rollen hinein: Martin Muliar (Knieriem), Florian Stanek (Zwirn), Aris Sas (Leim). Und auch ihre Spielgefährtinnen sind voll da und tänzeln neckisch und ausgelassen mit. Also: Der alte Nestroy, hier ist er ja noch. Verwandelt für eine sich verwandelnde Wiener-Stadt.
Meinhard Rüdenauer

