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WIEN/ Merker-Kunstsalon in der Gatterburggasse: GIANNI SCHICCHI. Halbszenisch

07.02.2018 | Oper

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Die tieflauernden Hinterbliebenen entdecken das fatale Testament. Foto: Herta Haider

WIEN / MERKER – Kunstsalon im Festsaal der Bezirksvorstehung Döbling: GIANNI SCHICCHI am 06.02.2018

Am Programm des Kunstsalons konnte man erkennen, dass sich der heurige Fasching seinem Höhepunkt nähert. Das „heitere Stück“ von Puccinis „Il trittico“ – nach einer literarischenVorlage aus Dantes Göttlicher Komödie – war bestens geeignet, das zahlreich erschienene Publikum in ausgelassene Stimmung zu versetzen und gut zu unterhalten.

Das ist natürlich nur möglich, wenn eine Sängerriege zur Verfügung steht, die sowohl gesanglich, als auch schauspielerisch auf höchstem Niveau agiert. Die Besetzung des Abends stellte die Nerven und das Organisationstalent der Prinzipalin Elena Habermann wieder einmal vor schier unlösbare Probleme. Der ursprüngliche Plan, die Hauptrollen mit renommierten Künstlern der Wiener Staatsoper und die kleineren Partien mit Studenten der Musikuniversität zu besetzen, wurde kräftig durchkreuzt. Jinxu Xiahou musste aus persönlichen Gründen absagen und Maria Nazarova wurde von der Mailänder Scala abgeworben, um die erkrankte Daniela Fally als Adele in der Fledermaus zu ersetzen – was ihr auch hervorragend gelang. Was für eine Karriere: Wiener Staatsoper – Merker-Kunstsalon – Mailänder Scala! – Kompliment!

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Paolo Rumetz mit „Erzherzog Ferdinand Maximilian von Habsburg – vulgo Max“, der Scotch Terrier. Foto: Herta Haider

Zum Glück blieb von den Staatsopernstars der Triestiner Bariton Paolo Rumetz für die Titelrolle erhalten und er begeisterte uns mit einer eindrucksvollen gesanglichen Leistung, die durch seine schauspielerischen Fähigkeiten noch aufgewertet wurde. Im Finale wurde er noch von Erzherzog Ferdinand Maximilian von Habsburg – vulgo Max, der Scotch Terrier – in einer stummen Rolle unterstützt.

Als Einspringer für die Staatsopernsänger konnten wunderbare Künstler von der Musikuniverstät Wien gewonnen werden. Als Lauretta hörten wir Simona Eisinger mit einer erfrischend jugendlichen Interpretation von „O mio babbino caro“, ohne dem süßlichen Schmelz mancher reifer Diva. Die Ansage wegen einer gerade überwundenen Erkrankung war möglicherweise psychologisch hilfreich – die klare schöne Stimme klang makellos und benötigte weder einen Einspringerbonus noch Milde in der Beurteilung.

Auch Oscar Ruben Ore Alarcon entpuppte sich als vollwertiger Ersatz für den chinesischen Staatsoperntenor. Er sang den Rinuccio mit höhensicherer und schön timbrierten Stimme und erweckte Erinnerungen an den jungen Juan Diego Florez – wir wünschen ihm eine ähnliche Laufbahn!

Stephany Pena sang eine temperamentvolle Zita und überzeugte mit einem reifen, edel klingenden Mezzosopran, der eindrucksvoll die gefühlsmäßigen Höhen und Tiefen verdeutlichte. Sowohl Taro Morikawa, der Arzt Mag. Spinelloccio als auch Pasquale Greco, der Notar Amantio Nicolao ließen durch schöne, technisch gute, samtige Baritone aufhorchen – man bekommt Lust, sie in größeren Rollen zu hören.

DieVerwandtschaft und geprellte Erbengemeinschaft wurde von den Studenten Stefan, Florian Boberski-Temme, Stefan Reichmann, Yuko Mitani (das ist aber keine Stundentin, sondern Professorin), Christian Kotsis, Vladimir Polovinchik, Christina Maier und Hanna Mitani makellos gesungen und mit überschäumender Spielfreude dargestellt. Es fehlte weder ein Bühnenbild, noch Kostüme und schon gar nicht eine „geniale“ Inszenierung. Die gut gelaunte, hoch motivierte junge Truppe mit dem Edelkomödianten Paolo Rumetz als schlauem Gianni Schicchi sorgten für eine weitere Sternstunde im Merker – Kunstsalon.

Besonders hervorzuheben ist auch der Einsatz und die Leistung von Manfred Schiebel, der nicht nur „seine Studenten“ mitgebracht, sondern auch die musikalische Leitung inne hatte und als einfühlsamer und temperamentvoller Pianist überzeugte.

Ein herrlicher Opernabend, der vom Unterhaltungswert und von der gesanglichen und darstellerischen Qualität einige szenische Aufführungen in berühmten Opernhäuser in den Schatten stellte.

Maria und Johann Jahnas

GIANNI SCHICCHI Paolo Rumetz
LAURETTA, seine Tochter Simona Eisinger
Die Verwandten des Verstorbenen Buoso Donati:
ZITA, Buosos Base Stephany Pena
RINUCCIO, ihr Neffe Oscar Rubén Oré Alarcón
GHERARDO, Buosos Neffe Stefan Reichmann
NELLA, seine Frau Yuko Mitani
GHERARDINO, ihr Sohn Hanna Mitani
BETTO DI SIGNA, Buosos Schwager Christian Kotsis
SIMONE, Buosos Vetter Florian Boberski-Temme
MARCO, sein Sohn Vladimir Polovinchik
LA CIESCA, Marcos Frau Christina Maier
MAGISTER SPINELLOCCIO, Arzt Taro Morikawa
AMANTIO DI NICOLAO, Notar Pasquale Greco
PINELLINO, ein Schuster Taro Morikawa
GUCCIO, ein Färber
Klavier Manfred Schiebel

*** Ort und Zeit: Florenz, 1299

 

 

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