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WIEN/ Merker-Kunstsalon in der Gatterburggasse: BETLY von Gaetano Donizetti – halbszenisch

26.02.2019 | Oper


Angelika Niakan, Mahdi Niakan. Foto: Herta Haider

WIEN/ 26.2.2019, Merker-Kunstsalon: „BETLY“ von Donizetti

Wieder eine wertvolle Entdeckung, im Internet als „hidden treasure“ angekündigt, von Donizetti selbst textiert und als „Betly ossia La Capanna Svizzera, Melodramma giocosa in due atti“ bezeichnet.

Wer mit dem Namen „Betly“ nichts anfangen konnte, ist nun eines Besseren belehrt: Bätely/Betly ist die Schweizer Koseform von Elisabeth . „Capanna“ bedeutet Sennhütte. Die Schweizer Tracht der 3 Protagonisten und des Pianisten unterstreicht dann auch diesen Schauplatz und das ländlich-sittliche Verhalten der auftretenden Personen. Dass das muntere Geschichtchen auf ein Singspiel „Jery und Bätely“ von Goethe zurückgeht, das er 1779 auf der Rückreise von der Schweiz nach Weimar schrieb, gibt dem Ganzen erhöhte Bedeutsamkeit. Kein Geringerer als Eugene Scribe nahm es sich 1834 zum Vorbild für das Libretto der Oper „Le Châlet“ von Adolphe Adam. Diese wurde am 25.9.1834 in Paris uraufgeführt. Offenbar lernte Donizetti dort das Werk kennen und schuf sich selbst aus dem französischen Libretto den Text für eine einaktige Farce „Betly“, die 1836 in Neapel uraufgeführt wurde. Auf Grund des Erfolges erweiterte er das Werk zu einer zweiaktigen Oper. Diese erblickte dann am 29.10.1837 in Palermo das Licht der Bühnenwelt.

Am 17.11.2015 führte die Berliner Operngruppe das Werk erstmals in Deutschland auf. 1993 wurde es auch in Bergamo gespielt und davon gibt es einen Mitschnitt (mit Patricia Pace und William Mateuzzi). Dazu gibt es zwei CD-Einspielungen: eine gekürzte Fassung aus 1949 (zusammen mit einer „Regimentstochter“ mit Wilma Lipp!) und einen Mitschnitt aus einer Aufführung in Lugo (Bezirk Ravenna) aus dem Jahr 1990.

Auf den Chor, der die Einwohner eines Schweizer Dorfes und eine Schar betrunkener Soldaten darzustellen die Ehre hat, wurde natürlich im kleinen Saal des Döblinger Bezirksamtes verzichtet. Aber die 3 unverzichtbaren und mit dem ersten Erscheinen zu Publikumslieblingen avancierenden Protagonisten und der fabelhafte Dirigent pardon: Pianist mit dem Talent, das Orchester zu ersetzen, Manfred Schiebel, der im weitesten Sinne „mitspielt“, nicht nur mit dem ganzen Körper, sondern auch mit all den Klangfarben, Lyrismen, Rhythmen und Stimmungen, die der Meister aus Bergamo hier so quasi nebenbei geliefert hat.

„Betly“ beginnt, so wie es auch endet: fröhlich und melodiös. In den ca. 1 ½ Stunden dazwischen bringt die im Grunde sehr simple Handlung natürlich Komplikationen mit sich, um den 3 Sängern, Sopran, Tenor und Bariton, Entfaltungsmöglichkeiten für ihre vokalen und komödiantischen Talente zu bieten. Der Tenor names Daniele Birman liebt Betly Starner, die Bewohnerin des Chatelet /der capanna, die im Dorf sehr beliebt ist, vermeint einem Brief, der aber gar nicht von ihr stammt, eine Erwiderung seiner Gefühle zu entnehmen, und macht sich an die Vorbereitung der Heiratsurkunde, als ein Trupp durstiger Soldaten mit dem Bariton Max Starner an der Spitze erscheint und bei Betly Quartier fordern. Daniele hat Grund zur Eifersucht, glaubt Betly verloren und will nun auch Soldat werden. (Siehe „Elisir“!) Als Betly sich jedoch dezidiert zu Ihrem Geliebten bekennt, gibt es ein glückiches Ende.


Russi Nikoff, Angelika Niakan, Mahdi Niakan, Foto: Herta Haider

„Unser“ Liebespaar war bezaubernd. Ein fescher junger Perser, schwarzhaarig und schwarzäugig, von unwiderstehlichem Charme in seinem Nemorino-ähnlichen Verhalten als seiner selbst nicht ganz sicherer, schwer Verliebter, immer wieder befangen an seinen Fingernägeln kauend, unsichere Blicke nach „ihr“ werfend, und dabei mit bezwingendem Wohlklang sich seinen Kantilenen hingebend, genussvoll die Höhen auskostend: Mahdi Niakan. Als hübsche junge Betly locker, selbstbewusst auf ganz liebe Art, mit angenehmem , klarem jugendlichem Sopran, sehr beweglich, für Betlys glückliche Momente vom Komponisten zu stimmlichen Bravouren geladen, lädt auch sie zum Wiederhören ein: Angelika Niakan, Österreicherin, im wirklichen Leben mit dem Tenor verheiratet. In dieses Idyll bricht Russi Nikoff, Merkersalon-Besuchern bestens bekannt, mit seiner kraftvollen, für das gesamte italienische Baritonfach einsetzbaren Stimme ein, sorgt mit diesem seinem Auftrumpfen und soldatesk prätenziösen Verhalten ebenfalls für beste Unterhaltung, ehe ihn Betly als ihren lange abwesenden Bruder wiedererkennt und nun nicht mehr um die Erfüllung ihres Ehewunsches bangen muss.

Dass diese Sänger hinter Notenpulten standen, hinderte sie nicht daran, auch optisch dem Publikum die darzustellenden Figuren zu vermitteln. Sie zu betrachten machte ebensolche Freude wie ihr Gesang. Wir warten auf die nächste Donizetti-Präziose!

Sieglinde Pfabigan

 

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