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WIEN / Leopold Museum: ARIK BRAUER

16.11.2014 | Ausstellungen

Brauer Plakat 
Alle Fotos: Heiner Wesemann

WIEN / Leopold Museum: 
ARIK BRAUER
Gesamt.Kunst.Werk
Vom 14. November 2014 bis zum 16. Februar 2014 

„Ich will Geschichten erzählen“

 Brauer und Peichl

Es bedurfte wieder einmal der unverbogenen, geraden Art von Elisabeth Leopold, um Dinge auf den Punkt zu bringen. Wir seien es doch müde, meinte sie, Bilder zu sehen, bei denen man erst ein Buch lesen müsse, bevor man sie verstehen könne… Nun, diese Gefahr besteht bei Arik Brauer nicht. Oder doch? Denn so einfach, wie seine Werke auf den ersten Blick aussehen – bunt, phantastisch, schön – , sind sie nun wirklich nicht. Im Leopold Museum kann man sich nun Stunden lang aufhalten, um in seine über die Maßen komplexe Welt einzutreten, der Freund Gustav Peichl den gestaltenden Rahmen gegeben hat.

Von Heiner Wesemann

Brauer Fotos aus seiner Frühzeit~1 
Fotos aus der Frühzeit

Arik Brauer 85     Achteinhalb Jahrzehnte sind lang, und doch hat Arik Brauer – als „Erich“ am 4. Jänner 1929 in Wien geboren – „Kunst“ für viele Leben hineingestopft. Auch darauf bezieht sich nun die Ausstellung im Leopold Museum, die hier nicht dies oder jenes „herausbricht“, sondern zumindest andeutungsweise versucht, die Fülle von Brauers Talenten aufzublättern. Abgesehen davon, dass selbstverständlich der Maler mit 85 seiner großformatigen Gemälde im Mittelpunkt der 270 Werke umfassenden Schau steht. Vieles davon kommt aus seinem Privatbesitz, gut ein Drittel der Werke ist überhaupt erstmals öffentlich zu sehen. Auch ein biographischer Lebensumriß gehört punktuell zu diesem Überblick, denn natürlich spielt alles im Werk mit – die jüdische Herkunft, die vielen Reisen, die persönlichen Beziehungen, die verschiedenen Interessen. Brauer – ein Gesamtkunstwerk. Näher ist man ihm vielleicht nie gekommen als in dieser Ausstellung.

Brazuer Ausweis~1
 Noch ein Brauer-Talent: Tänzer!

„Alles“ im Atrium      Im ersten Raum im Untergeschoß des Leopold Museums hat Gustav Peichl – der alte Freund seit mehr als einem halben Jahrhundert – als Ausstellungsgestalter Brauer „umrissen“: in Vitrinen mit Fotos aus seinem Leben, Schallplatten (der Sänger), Buchumschlägen (der Poet, dessen Texte sich als Kommentare zu den Bildern immer wieder in der Ausstellung finden), Figuren (der Designer), Porzellandekor (der Kunsthandwerker) , Bühnenentwürfe, Fotos seiner Gebäude, deren Fassaden er gestaltete („Brauers Beitrag gegen die langweiligen Kasten-Bauer“, wie Peichl es nennt). Jeder einzelne dieser Aspekte könnte noch in aller Breite ausgeführt werden…

Brauer Raum~1

Die Stationen eines Künstlers   Man hat sich bemüht, doch eine Art von Chronologie zu etablieren, und das hilft, durch Brauers Leben zu gehen. Frühe Porträts, seine Eltern, er selbst als junger Mann, seine schöne Frau Naomi, die ihm drei schöne Töchter schenkte (zwei, Timna und Ruth, sind unabdingbarer Teil des theatralischen Wiener Kulturlebens), frühe Werke, wo er noch sehr viel im Kleinformat arbeitete. Interessant ist dabei der Zeichner  Brauer, von dem man wenig wusste – unter seinen Versionen mythologischer Stoffe findet sich auch Odysseus…Dann ist es gelungen, das vielleicht erste „große“ Bild aus Privatbesitz in die Ausstellung zu bekommen: Mit Interesse betrachtet man „Der Regenmacher von Karmel“ aus dem Jahr 1964.

Der phantastische Realismus    Man erinnert sich noch an die beispiellose Erfolgsgeschichte des „Phantastischen Realismus“, jener Malergruppe (zu der Brauer neben Fuchs, Lehmden, Hutter in vordester Linie zählte), die mit ihrer Mischung aus Surrealität, Phantastik und jeweils einer ganz eigenen, unverwechselbaren Handschrift als Gruppe eine internationale Erfolgsgeschichte schrieb. Allerdings nicht auf Dauer – das Blatt wendete sich, das „Zuviel“ (?) an Ästhetik und auch an letztendlich Gegenständlichkeit hat in der Folge, in unserer Welt mit ihrem harschen, unerbitterlichen „Kunst-Verständnis“, ein Manko dargestellt. Brauer sprach in der Pressekonferenz diese Zeit offen an, wo man jemanden wie ihn als Modernitäts-Bremse verstand und er mit seinen Kollegen tatsächlicher Verachtung ausgesetzt war. Dennoch hat er sich weder verbittern noch beirren lassen. Einerseits hatte er unerschütterlich „sein“ Publikum. Andererseits kann er aus seinem tiefen Verständnis der Kunst heraus nie von seinem Credo abgehen: „Ich muss Geschichten erzählen.“ Wobei die Alten Meister bei seiner persönlichen Sicht immer zumindest als Handwerk respektvoll erkennbar sind.

Brauer Atombild~1  Brauer er und Peichl vor Verstrahltem Mann~1

Brauer Atombild. Text~2

Keine schönen Geschichten      Dass es absolut keine schönen Geschichten sind, zeigt jede genaue Betrachtung eines Bildes, und die Ausstellung widmet Themen wie Umwelt, Krieg und Unterdrückung oder auch der Stellung der  Frau eigene Schwerpunkte. Wenn jemand eine „Steinigung“ malt, wenn er seinen Vater mit Judenstern durch die Welt irren lässt, einen Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt zeigt, wenn er schließlich den „Verstrahlten Mann“ mit Assoziationen eines KZ-Gewandes versieht, wird niemand mehr Brauer irgend eine Art von „Gefälligkeit“ vorwerfen können.

Brauer live im Museum    Noch steht in der „Brauer“-Plaza, wie Gustav Peichl den ersten Raum der Ausstellung nennt, ein weißer Kubus, innerhalb dessen man einen Videofilm betrachten kann. In den nächsten drei Monaten wird Brauer an sechs Sonntagen diese leeren Wände coram publico bemalten – ein Blick in die Werkstatt, ein „Schaumalen“, wie man es sicher nicht alle Tage erlebt. Details: www.leopoldmuseum.org

Bis 16. Februar 2015, täglich außer Dienstag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bie 21 Uhr

 

 

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