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WIEN/ Konzerthaus/ Mozart-Saal: Liederabend KONSTANTIN KRIMMEL – AMMIEL BUSHAKEVITZ. Lieder-liche Perfektion

21.03.2026 | Konzert/Liederabende

20.3.2026 Wien Konzerthaus Mozart-Saal

Liederabend KONSTANTIN KRIMMEL – AMMIEL BUSHAKEVITZ

Lieder-liche Perfektion

Gerade einmal 33 Jahre ist der Ulmer Bariton Konstantin Krimmel alt, und an seinem Liedgesang gibt es nichts, also gar nichts auszusetzen: Ein wunderschönes weiches Kavaliersbaritontimbre, das sich in den dramatischen Momenten kernig-männlich verbreitern kann, eindringliche Piani, erstklassige Phrasierungskunst, gepaart mit dem Talent, das Publikum rattenfängergleich in jedes Lied so hineinzuziehen, das sofort die dort besungene Welt entsteht. Dazu kommt seine herausragende Wortdeutlichkeit, die jeden Blick ins Programmheft obsolet macht. Krimmel ist eine wahre Ausnahmeerscheinung, ein gottbegnadetes Liedtalent: Sieht man sich seinen Auftrittskalender an, so ist dieser vornehmlich mit Recitals gefüllt. Derzeit Ensemblemitglied an der Bayerischen Staatsoper finden sich auch einige Auftritte in jenem Opernhaus. So feierte er dort letzten Sommer sein Don Giovanni-Debut in einer zwangsoriginellen Inszenierung, in der er dazu verdammt war, in einem Frauenkörper – die im Schlusssextett besungene Proserpina bemächtigte sich des Verführers – den toxisch-männlichen Edelmann zu geben. Diese Regiemätzchen bleiben einem Liedsänger zum Glück erspart. Er steht quasi nackt mit seiner Stimme vor dem Publikum. Eine Wohltat.

Dem Konzerthaus-Publikum präsentiert Krimmel ein breit gefächertes Programm der Romantik und darüber hinaus. Das Wandern, das Reisen, das Suchen ist das Motto:

Zunächst Fünf Lieder op. 40 von Robert Schumann (Texte: Chamisso großteils nach Andersen). Teils lieblich, teils traurig, teils grausam („Muttertraum“, „Der Soldat“) – jede Facette ist da und wird ausgekostet. Krimmels Klavierpartner Ammiel Bushakevitz, in Israel geboren und in Paris lebend, zeigt bereits hier seine große Kunst. Er will nicht nur Begleiter sein, er übernimmt eindringlich einen eigenen Part, bildet ein Gegenstück zur Stimme, dort wo es in der Musik angelegt ist.

Ralph Vaughan Williams komponierte 1901 bis 1904 seine „Songs of Travel“ nach Robert Louis Stevenson. Zumeist in melancholischer Grundstimmung lässt ein Wanderer die Erinnerung an Orte und dadurch ausgelöste Gefühle Revue passieren. Krimmel bringt den träumerisch-elegischen Charakter von „The infinite shining heavens“ ebenso treffend zum Ausdruck wie die Feierlichkeit von „Bright is the ring of words“. Im Zentrum steht „Whither must I wander“, in welchem Lied Erinnerungen an ein Zuhause wach werden, das nicht mehr ein Zuhause ist.

Nach der Pause widmet sich Krimmel fünf Liedern von Eusebius Mandyczewski, einem Weggefährten von Johannes Brahms, aus der Bukowina stammend, in Wien als Musikwissenschaftler tätig. Für viele aus der Zuhörerschaft wohl eine Erstbegegnung mit den in rumänischer Sprache dargebrachten Liedern. Diese verbreiten teils eine heitere („Holdes Mädchen“), teils eine düstere („Das Grab“) Stimmung. Das letzte Lied („Der Einsame“) hat einen expressiv opernhaften Charakter, bei dem Krimmels dramatisches Talent vollends zum Tragen kommt.

Zuletzt folgen fünf Lieder von Johannes Brahms. Auch hier eine kluge Auswahl von Stücken, in die immer wieder volksliedhafte, folkloristische Melodien einfließen, wenn auch das zunächst dargebrachte „Auf dem Kirchhofe“ viel Pathos abverlangt und „Der Tod, das ist die kühle Nacht“ (von Heine) vor allem durch seinen klaren, eindrücklichen Text besticht.

Von den Zugaben ragt „Belsatzar“ von Schumann basierend auf einer Heine-Ballade heraus: Krimmel schildert hier mit beklemmender Eindringlichkeit das Schicksal des von seinen eigenen Knechten getöteten babylonischen Königs. Das Publikum ist beim Gastmahl förmlich dabei, bei dem die warnenden Schriftzeichen auftauchen, die der Herrscher nicht zu deuten weiß.

Sabine Längle

 

 

 

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