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WIEN/ Konzertsaal Augarten/ MuTh: ZALMEN MLOTEK/ MOISHE ROSENFELD „IN THE GOLDEN LAND“

11.10.2015 | Konzert/Liederabende

MuTh Zalmen Mlotek / Moishe Rosenfeld THE GOLDEN LAND 11.10. 2015 (Premiere am 10.10). Im Konzertsaal der Wiener Sängerknaben, dem MuTh, am Augartenspitz 1E im zweiten Wiener Gemeindebezirk.

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Copyright: MuTh

1984 fand die Uraufführung dieses Musicals in New York statt. Das Stück selbst und die Songs entstanden aus der Zusammenarbeit von Zalmen Mlotek (Musik) dem künstlerischen Direktor des National Yiddish Theatre – Folksbiene (NYT-F), und Moishe Rosenfeld (Liedtexte), dem Gründer und Präsidenten der Golden Land Connections, einer nationalen Entertainment Gesellschaft mit Sitz in New York.

Seit 2012 wird dieses Musical allerdings in einer Neubearbeitung von Direktor Bryna Wasserman aufgeführt. Und aus aktuellem Anlass nun endlich auch in Wien, leider aber nur für drei Vorstellungen, gezeigt.

Amerika, das scheinbar gelobte Land, war das Ziel jüdischer Emigranten aus Osteuropa, die Ende des 19. Jhd. vor den tyrannischen russischen Zaren und seinen Pogromen flohen. Wir sehen im Hintergrund die Freiheitsstatur, die mehr verspricht, als sie hält, dann die ankommenden Flüchtlinge und ihre peinlichen Befragungen von der Einwanderungsbehörde auf Ellis Island, wo sie zusammengepfercht auf ihre Überfahrt nach Manhattan warten.

Beängstigende Aktualität erhalten diese Bilder, wenn man an die Flüchtlinge aus Syrien denkt, die vor dem Wahnsinn einer barbarischen Terrormiliz IS fliehen, schutzflehend mit letzter Kraft das als humanistisch und weltoffen gepriesene heilige Abendland erreichen und hier auf Stacheldrahtzäune stoßen.

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Copyright: MuTh

Jene der jüdischen Einwanderer, die endlich Manhattan erreichen, werden als billige Lohnsklaven von korrupten Firmenbossen ausgebeutet. Tragischer Höhepunkt ist das in der Triangle Shirt Waist Fabrik am 25. März 1911 ausgebrochene Feuer, das 126 jungen Einwanderfrauen das Leben kostete und zu einem Wendepunkt in der amerikanischen Arbeiterbewegung führte.

Den zweiten Akt läutet eine ekstatische Feier über die Verleihung der amerikanischen Staatsbürgerschaft an die Immigranten ein. Wirtschaftlich geht es nun aufwärts, man übersiedelt von Downtown nach Uptown und von der Lower Eastside nach Harlem. Jiddische Theater, Literatur und Musik entstehen. Jiddische Radiosendungen und Zeitungen warnen vor dem aufstrebenden Nationalsozialismus in Deutschland und bereitet die Weltwirtschaftskrise und der Black Thursday am 24. Oktober 1929, der große Wall-Street-Crash, vielen Träumen von einer besseren Zukunft ein jähes und bitteres Ende. Und wieder gibt es einen Neuanfang, als die Überlebenden des Holocausts in den USA ankommen und auf Verwandte und Freunde treffen, die bereits einige Generationen zuvor, das gelobte goldene Land aufgesucht hatten.

Viel Klezmer-Musik, packende Gesangstexte, abwechselnd englisch und jiddisch, werden dem begeisterten Publikum schwungvoll dargeboten. Deutsche Übertitel sorgten für ein besseres Verständnis. Die eindrucksvolle Regie gestaltete Bryna Wasserman, die die mitwirkenden Sänger-Schauspieler gut charakterisierte und zu darstellerischen wie gesanglichen Höchstleistungen animierte. Die springlebendige, stellenweise zum Mittanzen animierende Choreographie gestaltete Deanna Dys. Die Darsteller gehörten allesamt dem National Yiddish Theatre – Folksbiene (NYT-F) an, das bereits 1915 gegründet wurde.

Vier Damen und drei Herren übernahmen gleich mehrere Rollen und müssen insgesamt, ohne Abstrich, als besonders gut bezeichnet werden: Daniella Rabbani als Sadie, Cooper Grodin als Yosl / Joe, Stacey Harris als Fannie / Dance Captain, Sandy Rosenberg als Genendl / Gussie, Andrew Keltz als Izzie, Bob Ader als Oppenheimer und schließlich noch Dagmar Schwarz als Stimme der Großmutter.

Großer und lang anhaltender Applaus bedankte alle Mitwirkenden. So eine gute Off-Broadway-Show sieht man nicht alle Tage in Wien. Es war für mich ein aufregendes und berührendes Erlebnis zugleich, höchster Theatergenuss auf höchstem Niveau! Achtung: das Musical wird nur noch heute Abend gespielt! Unbedingt hingehen und ansehen. Die Kartenpreise sind erschwinglich und es gibt noch Restplätze an der Abendkasse!

Harald Lacina

 

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