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WIEN/ Konzerthaus/Großer Saal: "L'EUROPA GALANTE" von André Campra

23.01.2018 | Konzert/Liederabende

WIEN: RESONANZEN/ KONZERTHAUS GROSSER SAAL 23.1.2018:  „L’EUROPA GALANTE“

Opera–ballett in einem Prolog und vier Akten (1697) von André Campra (1666–1744) .

André Campra ist ein französischer Komponist mit italienischen Wurzeln. Sein Vater war ein Arzt aus dem Piemont. André Campra wurde in Aix en Provence geboren und begann schon früh zu komponieren. Er schrieb mit 17 Jahren Motetten. 1683 zog die Familie nach Toulouse, wo er dann weiter studierte, 10 Jahre später kam er nach Paris wo er auch seine erste Oper „L’Europa galante“ komponierte und sehr bald im gleichen Stil den „Carnevale Venice“, Opern mit viel Tanzeinlagen. Musikalisch ist André Campra zwischen Jean Baptist Lully und Jean Philippe Rameau  einzuordnen.

Eine Österreichische Erstaufführung!

Die Uraufführung fand am 14. Oktober 1687 in der Salle du Palais – Royal in Paris unter der Leitung von Marin Marais (1656 – 1728) statt  Das Libretto stammt von Antoine Houdar de la Motte (1672 – 1731).

Es ist eine Oper, bestehend aus einem Prolog und vier Akten, in der Venus Liebesabenteuer in verschiedenen Ländern lenkt. Teils im Schäfermilieu – Frankreich, adelig für  Spanien, bürgerlich in Italien und im Serail in der Türkei. Musikalisch ist das Werk schwungvoll, lyrisches Barock aber die Individualität der Länder ist musikalisch wenig differenziert. Die Aufführung wurde von Hugo Reyne, der auch Soloflöte spielte nicht nur sehr lebendig musiziert sondern auch vor jedem Akt  sehr informativ moderiert in französischer Sprache,  mein Dank gilt dem ungenannten Dolmetscher. Es spielte La Simphonie de Marais und es sang Le Chœur du Marais. Der schöne homogene Klang des Orchesters unterstützte nicht nur die Solisten, auch das Ballett wurde exakt begleitet. Der Chor hatte einen sehr großen Part mit kleinen Solorollen, die sehr gut umgesetzt wurden.

Als „Venus“ – Prolog, „Doris“ – France, „Une Espagnole“ – Spanien, „Olympia“ – Italia und „Zaide“ – im Türkischen Serail lernte man tschechische Sopranistin Dagmar Saskova kennen. Eine angenehme lyrische, sehr flexible Stimme mit feinem Timbre. Diese Rollen liegen sicher sehr angenehm, ohne viel Ansätze zu großen Koloraturen wie bei den späteren Barockopern. Den Stil der Aufführung könnte man  knapp als halbszenisch bezeichnen. Die Künstlerin hatte für jeden Akt ein passendes Abendkleid und zog sich sogar noch einmal für den Epilog auf die natürlich siegreiche Venus um. Gegenspielerin und Opfer waren schon damals für den Mezzosopran angedacht. So lernte man die Französin Alice Ferriere als schöne Schäferin „Cephise“  und als verstoßene Lieblingsfrau „Roxane“  kennen. Auch sie hat für den französischen Barockstil das richtige Stimmvolumen und eine gut geführte Stimme  Der Tenor Romain Champion ist als „Philene“, „Un Berger“ im Schäferspiel, „Dom Pedro“ unter dem Fenster singender Liebhaber und als eifersüchtiger Italiener „Ottavio“ der sich von Olympia betrogen fühlt. Eine sehr helle Stimme, die sich für Barock und ebenso für die Gesänge der Spätrenaissance sehr gut eignet. Der Bariton Aimery Lefevre ist nicht nur der Böse. Als „Discorde“ (die Zwietracht) natürlich Widersacher der Venus,  „Silvandre“ betrügt Doris im Schäferspiel, als „Zuliman“ entscheidet er sich für eine neue Lieblingsfrau. – fragt sich für wie lange?  Eine sehr lyrische Stimme, technisch perfekt und ein ansprechendes Timbre. Auch er ist auf die Barockoper spezialisiert. Bis Rossini geht das Repertoire des Bassisten Guilhen Worms der als „Dom Carlos“ der Gegenspieler von Dom Pedro und als „Le Chef de Bastangis“ (Haremswächter) für Roxane und Zaide. Eine nicht allzu schwarze, aber schöne Stimme, die sehr flexibel geführt ist.

Das Tänzerpaar, das „Ensemble Donaires“, die ihre eigene Choreografie erarbeiteten. Die Ballerina Ana Yepes tanzte eine schöne Schäferin, eine spanische Dame mit Kastagnetten (nicht ganz passend), sehr schön das venezianische Maskenballett in Italien und wenig einfallsreich der Haremstanz. Der Ballerino Olivier Collin zeigte gute Figuren, bei sehr wenig Platz doch gute Sprünge.

Nach dem ersten Schlussapplaus moderierte der Maestro mit Dolmetscher noch einmal kurz und launig eine Zugabe, Man hätte ganz plötzlich noch eine Fragment für einen 5. Akt – Spielort Österreich gefunden. Er will es mit einer Hommage an Franz Welser Möst spielen,  und der „Radetzkymarsch“ erklang. Ein lustiger sympathischer Einfall am Ende einer interessanten Opernentdeckung.

Elena Habermann