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WIEN/ Konzerthaus/Festival „Resonanzen“ – 6. Konzert: DER ACKERMANN UND DER TOD. Musik aus der Zeit der großen Pest:

22.01.2016 | Konzert/Liederabende

Konzerthaus Mozartsaal: RESONANZEN 6. KONZERT „DER ACKERMANN UND DER TOD“

Musik aus der Zeit der großen Pest (21.1.2016)

Zwei Ensembles waren an diesem Abend tätig, Das „Ensemble Leones“ unter der Leitung von Marc Lewon, der auch Laute und Quinterre spielte. Sabine Lutzenberger sang mit ausdrucksvollen Mezzosopran. Raitis Grigalis wird nur mit Gesang angegeben. Ein „Tenoriton – Baritotenor.“ Baptiste Romain spielt die Vielle und den Dudelsack. Das andere Ensemble „La Mouvance“ besteht aus Christine Mothes Gesang, ein sehr leichter gerader Mezzosopran, Nelly Sturm an diversen Flöten und Karen Marit Ehling mit der Fidel.

Die Pest dezimierte die Bevölkerung in manchen Landstrichen auf ein Drittel. Ausgerottet ist die Pest auch heute nicht. Der Erreger „Yersinia pestis “ eine Zoonose wird über Ratten, Flöhe und andere Tiere übertragen, aber auch die Tröpfcheninfektion durch die Luft ist möglich. Dieser Erreger wird von Wirt zu Wirt weitergegeben und kann Jahrhunderte überleben. Der schwarze Tod war durch schlechte Hygiene eine Geißel des Mittelalters.

In den Abschnitten „Der Ackermann und der Tod“, „Busse“, „Lament“ und „Decamerone“ wurden Werke von vielen Anonymi des 13. und 14. Jhdt. Der Mönch von Salzburg aus dem späten 14.Jhdt., von dem man viele Vermutungen zur seiner Person hat, nur keine lässt sich beweisen, war ein ganz großer Komponist seiner Zeit. Unglaublich welch zarte Musik Oswald von Wolkenstein (1376 – 1445) schreiben konnte, gilt er doch bis heute als „wilder Hund“, denkt man nur an seine Vorhaben während des Konzils zu Konstanz. Sehr interessant auch die Musik von Matteo da Perugia (um 14oo), dessen Leben nahezu unbekannt ist. Man kennt nur eine 14jährige Schaffensdauer an der Kathedrale von Mailand. Ebenso wenig weiß man über Niccolo da Perugia, Schaffenszeit ca. 2. Hälfte des 14.Jhdt. Es sind eigentlich nur 41 Werke aus seiner Periode an der Kirche della Trinita in Florenz erhalten. F. Andrieu ein Musiker des späten 14.Jhdt, hinterließ wunderbare polyphone Melodien, über sein Leben ist nichts bekannt. Mehr weiß man natürlich über Guillaume de Machaut (1300 – 1377). Er wurde für seine Zeit sehr alt. Er wirkte in Frankreich während des 100 jährigen Krieges an vielen Höfen als Musiker und Literat. Er berichtet auch über schwere antijüdische Gesinnung beim Volke, welche den Ausbruch der Pest betrifft. Die Juden hätten zum Beispiel die Brunnen vergiftet.

Die beiden Ensembles trugen diese polyphonen stimmigen Werke teils instrumental und vokal in sehr schöner Einheit vor, wobei die vorletzte, rein instrumentale Nummer eines Anonymus um 1300 so richtig swingte.

Gleich nach dem Konzert fand eine jazzige Umsetzung der Musik von John Dowland im Beriosaal statt. Eigentlich hätte diese Veranstaltung besser zum 5. Konzert gepasst.

Das Christian Muthspiel Quartett , bestehend aus Christian Muthspiel Posaune und Klavier, Matthieu Michel Trompete und Flügelhorn, Franck Tortiller Vibraphon und Manu Mayr Bass, musizierte allerdings stimmungsvoll, mit elektronischen Effekten und sehr unterhaltsam.

Elena Habermann

 

 

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