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WIEN/ Konzerthaus/“Resonanzen“: „METALLI SONORI „

29.01.2022 | Konzert/Liederabende

28.1.2022:RESONANZEN

 

Metalli sonori

Die Besetzung klingt nach „David gegen Goliath“. Eine einzelne Frauenstimme, wenn auch ein Contraltro gegen ein ganzes Trompetenconsort. Da scheint doch die Ausgewogenheit arg gefährdet. Aber es wird nicht so heiß gegessen wie gekocht wird und so muss die junge Dame nicht gegen das ganze Consort ansingen. Im ersten Teil hat Margherita Maria Sala in einer Arie von Johann Philipp Krieger (1649-1725) nur eine Solotrompete als Partner und auch in der zweiten Arie aus „La caduta die Gerico“ von Antonio Caldara, die von den Posaunen von Jericho handelt, sind nur zwei Trompeten ihre „Gegenspieler“. Im zweiten Teil ist die Sängerin noch in zwei Arien von Caldara eingesetzt, die erste aus der gleichen Oper und auch nur mit zwei Trompeten, aber in der letzten Arie sind wirklich alle acht Trompeter und die Sängerin im Einsatz. Allerdings spielt das Tutti nur in den Vorspielen und in den Ritornellen, während die Singstimme normalerweise nur von Orgel und Posaune als Continuo begleitet wird. Frau Sala hat eine sehr bewegliche Stimme mit sonorer Tiefe, wäre aber gegen die komplette Trompetenübermacht ebenso chancenlos wie vermutlich die meisten Sänger. Viele der Komponisten sind kaum bekannt, mit Ausnahme von Ignaz Franz Biber, der nicht nur die Rosenkranzsonaten geschrieben hat, sondern unter anderem auch Sonaten für mehrere Trompeten. Das Schwanthaler Trompetenconsort wurde 2000 an der Anton Bruckner Universität Linz gegründet. In diesem Konzert waren die acht Trompeter Franz Landlinger, Wolfgang Gaisböck, Berhard Bär, Bernhard Mühringer, Martin Mühringer, Christian Simeth, Samuel Sigl und Raphael Pouget und der Posaunist Johannes Fuchshuber eingesetzt. Dazu kam an der Orgel die einzige Frau des Ensembles Martina Schobersberger und an der Pauke, bzw. Trommel Alex Georgiev. Wer welcher Trompeter war, können leider nur Bekannte der Künstler feststellen.

Der Auftritt war von Anfang bis Ende schön durchchoreographiert. Zu Beginn zogen die Musiker mit einer Improvisation ein, die schon ehe der erste Musiker sichtbar wurde, aus der Garderobe anklang. Analog war der Abgang nach der Draufgabe inszeniert. Bei den einzelnen Nummern war jeweils eine unterschiedliche Anzahl von Trompetern im Einsatz, wobei aber auch Teile des Ensembles aus den verschiedenen Türen einen musikalischen Beitrag leisteten und so einen reizenden Surround-Klang (lange vor Dolby) erzeugten. Eine Besonderheit war der Marche de timbales von Pierre Danican Philidor (1681-1730), ein Marsch für die Pauke solo, also nur zwei Töne, Rhythmus und Dynamik!

Wolfgang Habermann

 

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