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WIEN/ Konzerthaus/ „Resonanzen“: ENSEMBLE SOLLAZZO

Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen

20.01.2020 | Konzert/Liederabende

19.12020.: Konzerthaus 2.Gebot / Konzert „RESONANZEN“

 Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen

Es war kein guter Abend für den Betreiber des Buffets. Im großen Saal musste der Abend mit Anita Rachvelishvili verschoben werden und dann entschloss sich das Ensemble Sollazzo noch dazu, seinen Abend ohne Pause zu absolvieren.

Die Leiterin des Ensembles, Anna Danilevskaia, entdeckte früh die Fidel und spezialisierte sich auf Musik vom 14. bis zum 17.Jahrhundert. 2014 gründete sie in Basel das Ensemble Sollazzo (Amusement), das auf einen größeren Kreis von Mitgliedern aus verschiedenen Sparten der Musik kommen und projektbezogen zu kleinen Ensembles zusammengestellt werden. Bei diesem Konzert standen drei Gesangsstimmen vier Instrumente gegenüber. Für den Gesang waren Carine Tinney, der Countertenor Andrew Hallock und der Tenor Jonatan Alvorado zuständig. Neben der Leiterin spielte auch Natalie Carducci eine Fidel, diese aber da braccia, während Danilevskaia da gambe spielte. Dazu noch ein Psalter, das von Franziska Fleischanderl gefühlvoll geschlagen wurde. Das „belastendste“ Instrument, ein Organetto – eine Trageorgel, die der Spieler auf seinem Oberschenkel balanciert – wurde von Roger Helou gespielt. Ist schon die gesamte Besetzung sehr überschaubar, so kommt dazu, dass nur bei wenigen Nummern alle Mitwirkenden gemeinsam beteiligt sind. Da gibt es beispielsweise ein a capella-Duett von Countertenor und Tenor oder eine „Session“, der beiden Fideln. Das Programm umfasste die verschiedensten Kompositionen aus der Zeit vom 13. bis zum 15.Jahrhundert, wobei die meisten anonyme Schöpfer hatten. Gemeinsam ist ihnen die Verherrlichung der Kreuzzüge.

Viele Sänger schwören darauf, dass Mozart zu singen eine Hygiene für die Stimme sei. Ein Konzert wie das heutige ist so etwas wie Hygiene für das Hören. Da wird das Zusammenspiel und Gegeneinander einzelner Melodielinien ganz plastisch erlebbar. Eigentlich eine sehr frühe Vorwegnahme von einer Art „Minimal music“.

 

Wolfgang Habermann

 

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