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WIEN/ Konzerthaus/Mozartsaal: Konzert PRETTY YENDE. Schärfen und Unschärfen

11.02.2026 | Konzert/Liederabende

10.2. Konzerthaus Mozartsaal PRETTY YENDE

Schärfen und Unschärfen

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Pretty Yende. Foto: Wiener Konzerthaus

 

Die Karriere der 40-jährigen Südafrikanerin Pretty Yende verlief seit ihrem Erfolg beim Internationalen Belvedere-Wettbewerb in Wien 2009 erstaunlich und wurde mit ihrem Auftritt bei der Krönung von Charles III. 2023 in der Westminister Abbey gekrönt. Sie ist gern gesehener Gast auf allen großen Bühnen und hat sich vor allem mit ihren Interpretationen im Belcanto-Repertoire einen Namen gemacht. Kurz vor einem weiteren, publicity-trächtigen Auftritt bei der Eröffnung des Wiener Opernballs stellte sie sich dem Wiener Konzerthauspublikum mit einem vielseitigen und ambitionierten Liedprogramm mit ihrer zumeist eher zurückgenommenen polnischen Klavier-Begleiterin Anna Marchwińska vor.

Den Six mélodies op. 65 von Tschaikowsky sollten Auszüge aus Rossinis Les Soirées Musicales folgen, um nach der Pause Debussy und den „Straßenfegern“ aus dem Liedgut von Richard Strauss Raum zu geben.

Die auf französischen Texten basierenden Gesangsstücke des großen russischen Romantikers weisen zum Teil einen heiteren, zum Teil einen melancholischen (Déception), zum Teil einen dramatischen (Sérénade), zum Teil einen fast impressionistischen (Qu’importe que l’hiver) Grundcharakter auf und verlangen Stilsicherheit gleichermaßen wie interpretatorischen Ausdruck: Yende gelingt es nur bedingt, diesen Anforderungen gerecht zu werden, weist ihre Stimme zwar eine voluminöse Tiefe und eine warme Mittellage, aber keine saubere Höhe auf – ein Manko, das sich durch den ganzen Abend zieht und in späterer Folge noch störender empfunden werden wird als bei Tschaikowsky.

Viele große Sopranistinnen haben sich Rossinis Soirées Musicales basierend auf Texten von Pietro Metastasio und Carlo Pepoli zu eigen gemacht. Kleine, zumeist heitere Kostbarkeiten, reizende Genrestücke, beispielsweise lässt die entzückende La pastorella dell’Alpi im Volksliedstil sofort die Tiroler Bergwelt vor den Augen der Zuhörerschaft erstehen. Mit Charme und Aplomb interpretiert Yende Rossini, ihre langjährige Erfahrung mit seiner Musik wird spürbar. Aber auch hier: Probleme beim Registerwechsel, die Höhen sitzen besonders dann nicht, wenn sie dramatischerer Natur sind.

Nach der Pause fünf Lieder von Claude Debussy, unter anderem Clair de lune: Impressionistische zarte Malereien von Gefühlen und Stimmungen, die eine schwebende, feine, aber doch durchdringende Stimmgebung erfordern. Yendes Sopran hat in den letzten Jahren an Volumen zugenommen, ist größer und fülliger geworden, die hier geforderten filigranen Noten gelingen nur bedingt.

Zuletzt wählte Yende jene vier Lieder von Richard Strauss, die wohl jeder der langjährigen Abonnenten des Liedzyklus im Konzerthaus auswendig kennt: Cäcilie, Allerseelen, Morgen und Zueignung: Letzteres tönt am besten, bei den anderen hat Yende die Höhen wiederum nicht vollends im Griff: Unsauberkeiten wechseln einander mit Schärfen ab, die Stimme scheint fast zu groß für den intimen Rahmen und die erforderliche zurückgenommene Gestaltung – dies wird bei Allerseelen und bei Morgen besonders deutlich.

Das offizielle Programm beendet sie mit dem Czárdás der Rosalinde aus der Fledermaus des anderen Strauss, einem Stück, zu dem sie eine besondere Beziehung hat, wie sie begeistert dem Publikum erzählt: Sie trägt ihn mit Witz und Charme vor und lässt ihn – nicht ungeschickt – mit einem vergleichsweise kurzen Spitzenton verklingen.

Mit Gershwins Summertime und Donizettis Me voglio fa‘ ’na casa entlässt Yende das Publikum nach Hause, um den Abend, der einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen hat, verklingen zu lassen.

Sabine Längle

 

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