11.6.2026 KONZERTHAUS MOZART-SAAL: Jakub Józef Orliński, Countertenor/Michał Biel, Klavier
Musik für viele Weilen

Das Wiener Konzerthaus hat dem polnischen Youngster-Superstar Jakub Józef Orliński diese Saison seine besondere Aufmerksamkeit gewidmet, und so fand diese Kollaboration mit einem Liederabend im Mozart-Saal mit dessen ständigem musikalischen Begleiter Michał Biel ihren krönenden Abschluss. Der Countertenor, der mit seinem Charisma, seiner Herzlichkeit und seiner Coolness Zuschauer weit über die Klassik-Community hinaus anlockt, gab ein buntes Programm mit einem Händel/Purcell-Schwerpunkt einerseits und den in unseren Breiten weniger bekannten polnischen Komponisten Tadeusz Baird (1928-1981) und Mieczysław Karłowicz (1876-1909) andererseits zum besten.
Ihm und seinem kongenialen Pianisten, einem Juilliard School-Absolventen, zuzuhören ist ein wahrer Ohrenschmaus – so viel sei vorweg genommen.
Bei Händelscher und Purcellscher Barockmusik weiss der musikalische Vollprofi seine sängerischen Qualitäten, die diese Gattung von ihm abverlangt, perfekt einzusetzen: Stimmschönheit, Legatokultur, bruchlose Übergänge, dynamische Variationen – alles wie selbstverständlich. Orliński at Orlińskis best an diesem Abend! Bei Purcells „Sweeter than roses“ punktet er mit abwechslungsreichen Rhythmen, während „What power art thou“ mit seiner staccatoartigen Begleitung aus „King Arthur“ den absoluten Höhepunkt des Abends darstellt – ein wahres Ausdrucksgustostück – die eisige Atmosphäre, die diese nicht umsonst so berühmte Arie einzufangen vermag, findet sich bei Orliński in kongenialer Umsetzung wieder.
Ebenso spannend ist die Begegnung mit Bairds Liederzyklus nach Vier Liebessonetten von William Shakespeare – diese stellen sich ähnlich spannungsgeladen wie manche Barockarie dar – deswegen ist deren Gegenüberstellung mit der 300 Jahre alten Musik umso bereichernder.
Die sieben Lieder des Spätromantikers Karłowicz weisen großteils einen Bezug zur Natur auf – neben seiner musikalischen Leidenschaft war der Komponist ein begeisterter Bergsteiger. Seine Beobachtungen der Umgebung spannen wie selbstverständlich einen Bogen zu seinen durch die eindrucksvolle, mal melancholische, mal erhabene Musik zum Ausdruck gebrachten Gefühlswelten.
Händels „Furibondo spira il vento“ aus Partenope bildet mit viel Leidenschaft und hohem Tempo einen schmissigen Abschluss des offziellen Programmes.
Vier Zugaben gönnt der Breakdance-Künstler, der die vergleichsweise kleine Bühne wenigstens einmal zu einer kurzen akrobatischen Einlage nutzt, seinem Publikum: „Music for a while“ aus Purcells Oedipus ist die erste davon: Es mögen noch viele Weilen mit diesem Ausnahme-Artisten werden.
Sabine Längle

